Anlässlich des morgen in Kraft tretenden Krippenrechtsanspruchs erklärt Ekin Deligöz, Sprecherin der bayerischen Landesgruppe und Vizevorsitzende der grünen Bundestagsfraktion

Erfreulicher Weise sind in einem wahren Kraftakt der Kommunen durchschnittlich wohl genug Krippenplätze geschaffen worden. Somit sind die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetreten. Dennoch besteht kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen, im Gegenteil. Denn die befürchteten regionalen Engpässe, vor allem aber Probleme bei der Angebotsqualität und der Personalrekrutierung sind offenkundig. Hier sind weitere, kostenintensive Maßnahmen unabdingbar. Daran sollte sich auch der Bund mit zusätzlichen Finanzmitteln und einer Abkehr vom teuren Betreuungsgeld beteiligen. 

Das Betreuungssystem steht vor dauerhaften Herausforderungen. Vielfach fehlt es an Ganztagsplätzen; auf eine ganztägige Betreuung besteht nämlich kein Rechtsanspruch. Zudem mangelt es an qualifiziertem Personal. Und die Die Qualität der Betreuung ist im Durchschnitt nur mäßig – das ist in Fachkreisen seit Jahren unstrittig. Jüngst erst belegte das etwa eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Gemäß der „existiert in Bayern eine eher ungünstige Betreuungsrelation“. Ferner wird konstatiert: „Die Bildungschancen der unter Dreijährigen verschlechtern sich in Bayern, wenn sie statt einer Krippe andere Gruppenformen besuchen, in denen auch ältere Kinder betreut werden.“ Überdies sieht man „Nachholbedarf bei Ganztagsplätzen“.

Wir Grüne fordern schon länger, qualitative Mindeststandards bundesgesetzlich festzulegen. Insbesondere zielt das auf eine förderliche Fachkraft-Kind-Relation in den Angeboten. Unser Konzept sieht dazu vor, dass der Bund in einem ersten Schritt den Kommunen jährlich eine Milliarde Euro für diese Aufgabe zur Verfügung stellt. Außerdem wäre es richtig, die Mittel für das Betreuungsgeld in den Kitabereich umzuleiten. Entsprechendes gilt für das bayerische Landeserziehungsgeld.

Viele Kommunen haben mit überdurchschnittlichen Betreuungsbedarfen zu kämpfen. Teilweise werden sie den Rechtsanspruch wohl nicht voll erfüllen können. Wir Grüne schlagen für die Kommunen, die nachweislich sich rechtzeitig um einen angemessenen Ausbau bemüht hatten, ein Sofortprogramm zur weiteren Unterstützung zu.

Solange Erzieherinnen und Erzieher mehr schlecht als recht für ihre anspruchsvolle Arbeit entlohnt werden, werden wir mit Personalmängeln zu leben haben. Wir müssen uns schon fragen, ob uns die Förderung und Bildung der Kinder nicht mehr wert sein sollte. Bei knappen Kassen bedeutet dies aber auch, klare Prioritäten zu setzen. Wir Grünen haben das klar getan, und wollen eine Stärkung der direkten Kinderförderung bei gleichzeitiger Zurückführung der üppigen Eheförderung.