CSD Ulm.Neu-Ulm 2012: Einsatz für ein tolerantes Miteinander

Zum morgigen Christopher Street Day Ulm.Neu-Ulm 2012 erklärt Ekin Deligöz, schwäbische Bundestagsabgeordnete und Fraktionsvize der grünen Bundestagsfraktion:

Für die Akzeptanz und Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen ist viel erreicht worden. Dennoch gibt es noch immer Intoleranz und Diskriminierungen, die es zu beseitigen gilt. So soll der zweite CSD in Neu-Ulm und Ulm gesellschaftliche Fortschritte feiern, aber auch ein lauter Aufruf sein, Engstirnigkeit und Benachteiligungen Paroli zu bieten.

Denn weiteres Engagement ist dringend nötig. Das zeigten jüngst zwei Fälle in der Region. Es handelt sich um lesbische Mitarbeiterinnen in katholischen Kindergärten, die wegen ihrer sexuellen Orientierung gekündigt bzw. nicht weiter beschäftigt werden sollen. Wohlgemerkt: Anlass für den (geplanten) Rauswurf der beiden Erzieherinnen sind offenbar keinerlei Beanstandungen ihrer Qualifizierung oder Arbeit. Grund ist vielmehr der Sendungsauftrag der katholischen Kirche, den sie offenbar höher wertet als die eigentliche Aufgabe des Kindergartens. Das Hochhalten von Dogmen war der Diözese Augsburg sogar so wichtig, dass sie einer Mitarbeiterin sofort in ihrer der Elternzeit kündigen wollte. Dem konnte nur gerichtlich mit Verweis auf den besonderen Kündigungsschutz einer jungen Mutter Einhalt geboten werden. Praktizierte Nächstenliebe sieht anders aus.

Es ist an der Zeit, die arbeitsrechtlichen Privilegien der katholischen Kirche zu hinterfragen. Noch wichtiger ist aber der gesellschaftliche Einsatz für mehr Offenheit und tatsächlichen Toleranz auch gegenüber Lesben und Schwulen. Wie schwer letzteres fällt, demonstriert derzeit die CSU mit Ihrem kompromisslosen Widerstand gegen die Gewährung des Ehegattensplittings für eingetragene Lebenspartnerschaften anschaulich. Der Seehoferschen Haltung des ‚Nicht sein kann, was nicht sein darf‘ wird wohl demnächst das Bundesverfassungsgericht einen weiteren Riegel vorschieben müssen