Veranstalrungsbericht: „Holst du heute die Kinder ab?“

Ekin Deligöz MdB, stellvertretende Fraktionsvorsitzende © Melanie Ziggel
Thema der Veranstaltung am 21. März 2013 im Deutschen Theater Berlin: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. © Melanie Ziggel
Die grüne Bundestagsfraktion und ihre Positionen zur guten Kinderbetreuung. © Melanie Ziggel
Renate Künast eröffnet die Veranstaltung © Melanie Zigge
Prof. Uta Meier-Gräwe, Mitglied in der Sachverständigenkommission für den 1. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung © Melanie Ziggel
V.l.n.r.: Elke Heitmüller, Renate Künast, Barbara Streidl und Katrin Göring-Eckardt während des Input von Frau Prof. Uta Meier-Gräwe. © Melanie Ziggel
Im Podium (v.l.n.r.): Prof. Dr. phil. Barbara Thiessen, Elke Heitmüller, Katja Dörner, Barbara Streidl und Katrin Göring-Eckardt © Melanie Ziggel
Katja Dörner und Barbara Streidl © Melanie Ziggel
Barbara Streidl erzählt vom alltäglichen Wahnsinn einer berufstätigen Mutter © Melanie Ziggel

Veranstaltungsbericht der Bundestagsfraktion:

Am 21. März 2013 hatte die grüne Bundestagsfraktion zu einem Podiumsgespräch ins Deutsche Theater in Berlin geladen. Thema des Abends: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Renate Künast führte Frau Prof. Uta Meier-Gräwe ins das Thema ein. Als Mitglied der Sachverständigenkommission für den 1. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung und anlässlich des Equal Pay Days beleuchtete sie das Problem vor allem aus der Perspektive der Frauen bzw. der Mütter. So wies sie darauf hin, dass die derzeitigen Rahmenbedingungen (ungleiche Entlohnung, Teilzeitfalle, unzureichende Dienstleistungsinfrastruktur) dazu führen, dass auch Paare, die die Familienarbeit partnerschaftlich aufteilen wollten, sich nach der Familiengründung oftmals in traditioneller Aufgabenverteilung wieder fänden (Retraditionalisierung).

Auf dem von Katja Dörner MdB moderierten Podium diskutierten Prof. Dr. phil. Barbara Thiessen, Professorin an der Hochschule Landshut, Elke Heitmüller, Leiterin der Frauenförderung bei Volkswagen, Barbara Streidl, Autorin von „Kann ich gleich zurückrufen? Der alltägliche Wahnsinn einer berufstätigen Mutter“ und Katrin Göring-Eckardt MdB, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.

Die Vereinbarkeitsfrage ist die zentrale Herausforderung der Familienpolitik derzeit. Zwischen den Wünschen nach „atmenden Lebensläufen“ (Thiessen), mehr gerecht entlohnten vollzeitnahen Teilzeitangeboten mit Rückkehrrecht auf Vollzeit, familienfreundlichen Unternehmen mit aufgeschlossener Personalentwicklung und „echter Wahlfreiheit“ (Katrin Göring-Eckardt) und der Realität klafft jedoch ein große Lücke.

Der Ausbau der Kinderbetreuungsangebote für die unter dreijährigen Kinder bleibt auch nach dem Inkrafttreten des Rechtsanspruchs eine große gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Betreuungsangebote und Rechtsansprüche variieren in den Altersphasen der Kinder. Flexible Betreuungsangebote in den Randzeiten und an Wochenenden sind eine Seltenheit. Trotz des Ausbaus der Ganztagsschulen brechen Betreuungsarrangements mit Schuleintritt oftmals zusammen. Der Anspruch auf frühkindliche Bildung und individuelle Förderung der Kinder, nach einer Öffnung der Angebote in den Stadtteil und hin zu mehr Familienbildung bleibe viel zu oft auf der Strecke. Hinzu kommt die mangelnde Wertschätzung und schlechte Bezahlung für alle pflegenden und erzieherischen Berufe.

Schließlich kann auch die beste Betreuungsinfrastruktur die Vereinbarkeitsprobleme und Zeitbedürfnisse vieler Eltern alleine nicht lösen. Was also kann Politik, was kann Wirtschaft tun? Die Antworten der Teilnehmerinnen fasste die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ekin Deligöz zusammen: Es geht zum Beispiel darum, ein Rückkehrrecht auf Vollzeitarbeit zu verankern oder Väter besser einzubinden, eine Betreuungsgarantie für Kinder zu geben oder auch eine Kindergrundsicherung statt des Ehegattensplittings einzuführen.

Es braucht mehr als schillernde Sprechblasen

Sowohl die Bundeskanzlerin als auch die Familienministerin hatten zuvor eilends einen Familiengipfel einberufen, allerding ohne konkrete Vorhaben zu präsentieren. Schöne Reden helfen den Familien nicht. Die grüne Bundestagsfraktion hat schon im November 2012 mit dem Antrag Zeit für Familie ermöglichen, Vereinbarkeit von Erwerbsleben und Elternschaft verbessern deutlich gemacht, welcher Handlungsbedarf besteht. Mindestens das Rückkehrrecht auf Vollzeit, für das sich auch die Familien und Arbeitsministerinnen stark machen, hätte die Bundesregierung längst auf den Weg bringen können. Auch dazu hat die grüne Bundestagsfraktion im März 2013 einen Antrag in den Deutschen Bundestag eingebracht.