Ankommen bei den Vereinten Nationen

Deutsches Haus
Meine Ausweise- ohne die geht hier nix!
UN-Headquarter
Immer wieder: interessante Begegnungen. hier mit einer Koreanischen Tänzerin
Kunst als Träger der Völkerverständigung

Es ist heiß in New-York, so heiß, dass man gerne nach drinnen flüchtet. Dennoch steht eine Schlange von Menschen vor dem beeindruckenden Gebäude der Vereinten Nationen, um eine der „Guided Tours“ zu ergattern.

Hier also wird mein Arbeitsplatz für die kommenden zehn Tage. Wo bin ich?

Das Parlament der Nationen, die Vereinten Nationen, wurde am 24. Oktober 1945 geründet mit dem Auftrag, Weltfrieden zu sichern und Konflikte zu lösen. Inzwischen sind 153 Nationen UN Mitglieder.

Die Hauptaufgaben der Vereinten Nationen sind laut Gründungsbeschluss:

  • Die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit
  • Die Entwicklung besserer, freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Nationen
  • Die internationale Zusammenarbeit, Lösung globaler Probleme und Förderung der Menschenrechte
  • Der Mittelpunkt zu sein, an dem die Nationen diese Ziele gemeinsam verhandeln.

Sicher ist das meist zitierte Papier der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

Am 10. Dezember 1948 wurde die Charta um die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ergänzt. Darin verkündeten erstmals alle Staaten gemeinsam grundlegende Menschenrechte, die für jeden Menschen gleichermaßen gelten. Leider hat die Erklärung keinen bindenden Charakter, daher wurde sie im Laufe der Jahre immer wieder durch Ergänzungen und der Betonung der Bedeutung unterstützt. In der Deutschen Verfassung ist sie in den Artikeln 1-20 festgehalten.

Die Organe

Gemäß Artikel 7 der UN-Charta setzen sich die Vereinten Nationen aus sechs Hauptorganen zusammen, die für die Entscheidungsprozesse maßgeblich verantwortlich sind. Neben den Hauptorganen gehören eine Reihe von Nebenorganen und Sonderorganisationen zur Organisation der Vereinten Nationen.

Die Hauptorgane

Die UN-Generalversammlung ist die Versammlung aller Mitgliedstaaten. Im September startet das UN-Jahr mit einer Zusammenkunft aller Staaten für zwei Wochen in New York. In diesem Jahr wird Deutschland ab  September neben der Kanzlerin Merkel, von Außenminister Steinmeier, Wirtschaftsminister Gabriel und Entwicklungsminister Müller vertreten. Aber auch der Papst hat sein Kommen angekündigt. Der Grund dafür sind die Verhandlungen um die „Sustainable Development Goals“.

Diese „Nachhaltigen Entwicklungsziele“ sind politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen (UN), die der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen.‪ „Die Millenniumsziele“ waren bisher die Richtlinien unter denen das Handeln und die Programme der UN gestaltet wurden. Die neuen, derzeit in Verhandlung, stehenden Ziele sollen, in Anlehnung an den Entwicklungsprozess der Millennium-Entwicklungsziele (MDG), entworfen werden und diesen nach dessen Ablauf im Jahr 2015 unter verstärktem Fokus auf Nachhaltigkeitsaspekte weiterführen.‪ Im Unterschied zu den MDG‘s, die insbesondere Entwicklungsländern galten, sollen die SDG‘s für alle Länder konzipiert werden.

Wir Grüne bringen diese Debatte mit dem Grundbedarf an einer Reform der Strukturen der UN in einem Positionspapier zusammen. Hier zum Nachlesen:

Neben der Generalversammlung agieren als Hauptorgane der UN das UN-Sekretariat, der Internationale Gesichtshof, der UN-Sicherheitsrat, der UN-Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) und der UN-Treuhandrat.

Begleitet werden die Hauptorgane in ihrer Arbeit durch zahlreiche Nebenorgane. Diese Berichten gegenüber den Hauptorganen und treten selbständig auf. Die Auflistung ist beeindruckend.

Entwicklungspolitische Hilfsprogramme

  • Menschenrechtsrat (HRC) in Genf (Schweiz)
  • Entwicklungsprogramm (UNDP) in New York (USA)
  • Umweltprogramm (UNEP) in Nairobi (Kenia)
  • Kinderhilfswerk (UNICEF) in New York (USA)
  • Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in Genf (Schweiz)
  • Welternährungsprogramm (WFP) in Rom (Italien)
  • Welternährungsrat (WFC) in Rom (Italien)
  • Bevölkerungsprogramm (UNFPA) in New York (USA)
  • Abrüstungskonferenz (UNCD) in Genf (Schweiz)

Humanitäre Angelegenheiten

  • Hochkommissar für Menschenrechte (UNHCHR) in Genf (Schweiz)
  • Hochkommissar für Flüchtlinge (UNHCR) in Genf (Schweiz)
  • Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA, Office for the Coordination of Humanitarian Affairs)
  • Hilfsprogramm für die Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) in Gaza (Palästinensische Autonomiegebiete)
  • Katastrophenhilfe (UNDRO) in Genf (Schweiz)
  • Drogenkontrollprogramm (UNODC) in Wien (Österreich)
  • Weltsiedlungskonferenz (HABITAT) in Nairobi (Kenia)

Sicherheitspolitische Nebenorgane

  • Friedenssicherungsmissionen wie z. B. UNAMA und UNTAC
  • Territoriale Verwaltungsmissionen wie z. B. UNMIK und UNTAET
  • Ad-hoc-Strafgerichte wie z. B. ICTY in Den Haag (Niederlande) und ICTR in Arusha (Tansania)

Ausbildungs- und Forschungsaktivitäten

  • Universität der Vereinten Nationen (UNU) mit ihrem Hauptsitz in Tokio (Japan)
  • Institut für Ausbildung und Forschung (UNITAR) in Genf (Schweiz)

Die Mitarbeiter hier lieben Abkürzungen. Während der Gespräche werden diese gerne verwendet, geschaffen und kreativ eingesetzt. Mein erster Tag ist für mich entsprechend verwirrend. Zumal zu den Organen jeweils eine politische und eine verwaltungstechnische Entscheidungs- und Handlungsebene zugeordnet wird. Zahlreiche Ländervertretungen, Diplomaten und UN-Mitarbeiter schwirren durch die Räume und Gänge. Unter dem entsprechenden bürokratischen Überbau verbirgt sich eine sehr konkrete Aufgabengestaltung. Dieser will ich in den kommenden Tagen näher kommen.

Der erste Tag gilt aber erst mal dem Bestaunen. Nach dem ich mir meinen Hausausweis als Adviserin hole, lerne ich das Deutsche Haus, das UNICEF-Headquarter und die Gebäude darum herum kennen. Es ist ein Sprachgewirr in den Gängen. Etwas einschüchternd finde ich die vielen Sicherheitskräfte an jeder Ecke. Aber mein Ausweis scheint mir alle Türen zu öffnen. So kommt es auch, daß ich mich erst einmal verlaufe und dabei die zahlreiche Kunstwerke aus allen Mitgliederstaaten in den Räumen und Nebenräumen entdecke. So auch die Chagallfenster und einen Teil der Berliner Mauer.

Es wird konkret - Kinder und Gewalt

Mit Martha In ihrem neu bezogenem Büro
All denen die in Einsatz für Unicef gestorben sind. Waren in den letzten 3-4 Jahren an die 2000 für gesamt UN
Headquarter UNICEF

Ich treffe Martha Santos Pais in ihren neu bezogenen Büroräumen. Es ist bereits sehr aufgeräumt. Es sind nur wenige Akten im Raum. Umso mehr machen die Mitbringsel aus aller Welt Marthas Büro wohnlich und sehr nett.

Ich kenne sie bereits aus Berlin als Leiterin des Innocenti Forschungsinstituts von UNICEF in Italien. Sie war sie bereits mehrfach zu Gast in Berlin. Ihr Bericht über „Gewalt gegen Kinder“ in der  Ausgabe der UNICEF Studie zur „Lage der Kinder in der Welt“ (2014), hatte einige in der Politik und Öffentlichkeit wach gerüttelt.

Martha ist sehr übermüdet. Sie war in Bolivien, ist von dort aus nach Adis Abeba zur Konferenz anlässlich der zukünftigen Entwicklungsfinanzierung geflogen und erst gestern Abend in New York gelandet. „Heute Morgen waren in diesem Raum nur Kisten“, erzählt sie.

Als es jedoch um ihre neuen Projekte geht, ist die Müdigkeit verschwunden. Zahlen, Fakten, Argumente und persönliche Erfahrungen packt sie in viele bildreiche Sätze. Sie redet von Ausbeutung, sexuellem Missbrauch, Vergewaltigung, Gewalt in allen Formen gegenüber den Kindern, nicht nur in Entwicklungsländern. In El-Salvador sterben täglich 20-30 Kinder an den Folgen von Gewalt auf den Straßen. In Kolumbien werden Kinder an den Bushaltestellen, Spielplätzen, öffentlichen Einrichtungen verschleppt, missbraucht, umgebracht. Auf Honduras ist Kidnapping an der Tagesordnung und sind die Kinder verschwunden, werden sie nie wieder gesehen. In Indien werden Kinder versklavt und als Arbeiter verkauft, in Afrika zwangsverheiratet und immer wieder missbraucht - nicht nur Mädchen, auch Jungen. An all diesen Orten war Martha bereits. Überall arbeiten lokale Gruppen von UNICEF an der Sicherheit für Kinder, Traumabekämpfung, Überzeugungsarbeit an offiziellen Stellen, bei der Polizei, Verwaltung, Gerichten, den Regierenden, an der Bekämpfung von Gewalt gegenüber Kindern. UNICEF baut Schutzräume auf, bietet nicht nur Nahrungsmittel und Gesundheitsversorgung, sondern auch mal eine sichere Nacht zum Schlafen.

Martha redet von über einer Milliarde Kindern im Alter zwischen 2 und 14 auf der Welt, die in Familien und in vertrauter Umgebung geschlagen, verschleppt, missbraucht und gefoltert werden. UNICEF fordert mehr Daten ein, um Licht ins Dunkle zu bringen. „Die Folgen von massiver Gewalt sind massive Kosten für die Gesellschaft. Mit Moral und Kinderrechten argumentiere ich schon gar nicht mehr. Viele sind da taub.“ sagt Martha. Kinder werden in „Detention Centers“ eingesperrt und ihnen bleiben die Bürgerrechte verwehrt. Es gäbe dabei noch nicht mal ein Unrechtsbewusstsein. Es gebe noch so viele Beispiele für Gewalt, überall auf der Welt.

Angesichts der Traurigkeit der Situation versiegen mir erst mal die Fragen. Aber als es dann um konkrete Handlungsfelder geht, kann ich ihr Einiges aus den Erfahrungen in Deutschland mit Gesetz und Umsetzung zur gewaltfreien Erziehung mit auf dem Weg geben. Schließlich war es einer meiner ersten erfolgreichen politischen Projekte: Das Gesetz auf gewaltfreie Erziehung und dessen Umsetzung.

143 Nationen haben bereits „Helplines“-Hilfetelefone für Kinder eingerichtet. Bei einer gemeinsamen Auswertung kommt heraus, dass zwei Entwicklungen die Kinder, egal wo, gleichermaßen betreffen: Missbrauch und Mobbing. „Wir brauchen Vorreiterländer in Kinderrechten, damit alle anderen sich daran orientieren können, dass Kinderleben etwas wert ist. Dass Kinder auch Menschen sind und Rechte haben.“

Ihre Forderung: Skandinavien gilt immer noch als DIE Vorzeigeregion, schön wäre es, wenn Deutschland da auch mit in die Vorreiterstaaten einsteigen würde.

Ich denke daran, dass wir eine sehr viel aktivere Debatte in Deutschland über Kinderrechte hatten, die inzwischen etwas in den Hintergrund getreten ist. Angesichts der Debatten um die Flüchtlingskinder ist es an der Zeit, die Aufnahme der Kinderrechte in die Verfassung wieder aktiver zu diskutieren. Denn Kinder als Rechtssubjekte zu betrachten, ihnen eigenständige Persönlichkeitsrechte zu gewährleisten, ist essenziell wichtig für viele Folgehandlungen in Sozialgesetzbüchern und anderen Gesetzesauslegungen, auch in Deutschland.

UNICEF hat sich selbst vorgenommen, in der Debatte um die „SDG- Sustainable Development Goals“ – ( im Herbst auf der Tagesordnung stehenden Nachhaltigen Entwicklungsziele der Weltgemeinschaft) das Thema „Bekämpfung von Gewalt gegenüber Kindern“ als Schwerpunkt zu setzen.

Sie haben hierzu eine Agenda mit sechs Zielen entwickelt, erfahre ich in einem weiteren Gespräch mit Jost Kooijmanns:

  • Eltern bewusst machen, trainieren, als Partner gewinnen
  • Risiken bekämpfen und Kindern akut helfen
  • Haltungen verändern, Bewusstsein schaffen
  • Gewalt präventiv bekämpfen und vermeiden
  • Rechtssysteme ausbauen, politische Handlungsfelder entwickeln und implementieren
  • Forschung und Datenbeschaffung zur Bewusstseinsschaffung

UNICEF will hierfür einen weltweiten Fond einrichten, aus dem alle - also auch die entwickelten Staaten -  Unterstützung, Beratung und Mittel bekommen, um Gewalt gegen Kinder aktiv zu bekämpfen. Großbritannien und Schweden sind bereits mit an Bord. So bekomme ich bereits meine erste Hausaufgabe.

Wie arbeitet UNICEF - Strategien für Lückenkinder

UNICEF hilft Kindern in rund 150 Ländern und ist in so gut wie jedem Land der Erde präsent. In den Länderbüros arbeiten überwiegend einheimische Mitarbeiter, die Expertise mitbringen und die lokale Sprache sprechen.

UNICEF finanziert seine Arbeit ausschließlich aus freiwilligen Beiträgen von privaten Bürgern sowie Regierungen. Die Spendensammlung wird durch die Regionalkomitees in den „Geberländern“ also den Entwickelten Ländern gesammelt. So auch in Deutschland vom Deutschen Komitee.

Von Christian Salazar, der selber einst Mitarbeiter bei UNICEF Deutschland war und heute die Strategieabteilung von UNICEF leitet, erfahre ich Einiges über den Arbeitsablauf. Leider wird Harr Salazar UNICEF in den nächsten Wochen verlassen, um als UN-Koordinator in El Salvador tätig zu werden. Dennoch erfahre ich bei dieser Gelegenheit, dass über 60 Deutsche bei UNICEF im Headquarter oder in den Länderprogrammen fest angestellt sind.

Über Leitlinien, Haushalt und Ausrichtung der Programme entscheidet das oberste Organ, der Verwaltungsrat aus Delegierten von 36 Nationen. Welches Land wie viele Mittel erhält, kommt zum Beispiel auf die Kindersterblichkeitsrate, der Zahl der Kinder im Land und das Durchschnittseinkommen an. Die Planung der Länderprogramme läuft in der Regel über einen Planungszeitraum von über fünf Jahren und wird vor Ort von den Länderbüros ausgearbeitet und aus New York freigegeben und begleitet. In der Länderanalyse benennt UNICEF gemeinsam mit der Regierung und UN-Partnern die wichtigsten Herausforderungen und Entwicklungsziele für Kinder und Frauen – zum Beispiel die Senkung der Kindersterblichkeit oder der Verbesserung der Bildungschancen. Im Entwurf des Länderprogramms legen UNICEF und die Regierung ihre gemeinsame Strategien und die Ziele fest. Dazu gehört auch die Vorbereitung auf mögliche Nothilfesituationen. Im Management- und Budgetplan legt jedes Länderbüro die benötigten Ressourcen fest, sowie die Verantwortlichkeiten und Erfolgsindikatoren werden definiert. Das Budget umfasst jeweils eine Grundfinanzierung.

Für ihre Aktivitäten bitten die UNICEF- Büros dann um weitere Gelder – beispielsweise beim Deutschen Komitee.

Der Aktionsplan legt die geplanten Leistungen fest, die durch UNICEF, der Regierung und den Partnerorganisationen erbracht werden. Ein integrierter Monitoring- und Evaluierungsplan stellt sicher, dass geplante und tatsächliche Fortschritte ermittelt und abgeglichen werden.

Mit der Unterzeichnung durch UNICEF und Regierung beginnt formal ein neuer Programmzyklus.

In New-York werden aber dennoch einzelne Programme entwickelt. Hierzu gehört auch eine Analyse über Entwicklungen, Herausforderungen und neue Tendenzen. Ich treffe mich mit zwei sehr engagierten Mitarbeiterinnen in der Programmabteilung Judith und Susanna. Sie arbeiten an einem Projekt für „Second Dekade“, das heißt für Kinder zwischen 12 und 16 Jahren. „Wir investieren in Kinder und Kleinkinder, in ihre Ernährung und Gesundheit, beschulen sie und geben ihnen Sicherheit, nur um sie dann im Jugendalter zu verlieren. Das darf nicht sein.“, leitet Judith ein, „In diesem Alter werden sie zu Kindersoldaten ausgebildet, zwangsverheiratet und verschwinden aus den Augen des öffentlichen Bewusstseins. Sie tauchen erst wieder auf, wenn sie zu Problemen werden oder etwas Schlimmes passiert. Das ist zu spät.“

Auch in Deutschland kennen wir das Wort „Lückenkinder“. Das sind Kinder in eben dieser Altersgruppe, die nicht mehr im Hort oder einer Nachmittagsbetreuung sind und wenig Angebotsstrukturen neben den Vereinen haben. Deshalb war es mir immer wichtig, mich für offene Jugendarbeit, Orte des Treffens und Streetwork zu engagieren. Denn genau dann dürfen wir sie mit ihren Sorgen und Nöten nicht alleine lassen und müssen vertraute Räume außerhalb des Elternhauses schaffen. Jetzt wird es mir deutlicher, warum mir das so wichtig war und ist.

Judith und Susanna entwickeln Handlungskonzepte. In ihrer Analyse zeigen sie mir auf, wie systematisch die Kinder verloren gehen. Viele Taten, weswegen junge Menschen verurteilt werden, seien Taten, die nur sie begehen können- altersbezogene Taten. Zum Beispiel Übertretungen von Altersgrenzen, Sexualstrafrecht oder Willkür des Staates. Junge Menschen werden in Gefängnisse eingesperrt, haben keine Rechte auf Anwälte und Beistand. Eltern seien entweder nicht da oder ihnen fehle das Geld für Hilfe. In den Jugendgefängnissen werden sie missbraucht und zu Sklavenarbeit verpflichtet oder kriminalisiert. In diesen Regionen seien junge Menschen in einem rechtsfreien Raum für sie. Wenn sie dem entgehen wollen, gäbe es nur die Flucht, Untertauchen oder die Kriminalität als Alternative.

Ihre Ziele sind abgesteckt:

  • Gesundheitsversorgung auch für Mädchen und Jungs     im Teenageralter zu schaffen, darunter auch Aufklärung und Vermeidung von frühen Schwangerschaften

  • Weiterführende Ausbildung und Beschulung nach der Grundschule
  • Sicherheit und Schutz durch Anerkennung ihrer Rechte, Vermeidung von Willkürbestrafungen, Jugendgefängnissen
  • Schutz vor familiärer Gewalt, Zwangsverheiratungen, Missbrauch und Verschleppung
  • Kontinuität in Begleitung und Unterstützung

Ich lerne: Die Programmabteilung erkennt ein Problem, arbeitet Umsetzungsideen aus, diese kommen zu den Länderbüros, welche dort die Maßnahmen implementieren. Dort und auch hier werden diese ausgewertet und entsprechend vertieft, weiterentwickelt, in die politische Debatte eingebracht und als Ziel festgehalten oder sie führen zu einer neuen Analyse. So hängt alles mit allem zusammen und es funktioniert – für die Kinder der Welt. Jeden Tag wird das Recht der Kinder in kleinen Schritten weitergebracht, jedoch mit vielen Rückschlägen.

Ich werde über Jugendhilfe und Jugendstrafrecht in Deutschland von ihnen ausgefragt. In solchen Situationen wird es mir deutlich, wie gut ein funktionierender Rechts- und Sozialstaat ist und für wie selbstverständlich wir das nehmen. Gerne übermittle ich ihnen einige Kontakte zu Forschung und Wissenschaft, zu Adoleszenz nach Deutschland und erhalte sogleich zwei Einladungen zu Veranstaltungen.

Neben der inhaltlichen und strukturellen Arbeitsweise von UNICEF erfahre ich an diesem Tag noch etwas anderes. Was es eigentlich heißt, hier zu arbeiten. Viele der kleinen Arbeitsboxen sind mit privaten Kinderbildern, gemalten Karten und Mitbringsel aus den Feldaufenthalten, geschmückt. Da hier viele Stunden verbracht werden und anders als wir gewohnt sind, Urlaub viel weniger ist, sind Boxen in Großraumbüros – manch einmal ohne Tageslicht, ihr Hauptaufenthaltsraum. Beim Mittagessen frage ich meine Tischnachbarn aus. Die Verträge laufen in der Regel zwei bis maximal fünf Jahre. Danach müssen sie sich weiterbewerben. Meist findet sich etwas innerhalb der Strukturen, allerdings ist unklar, wo. Das bedeutet, viel Umziehen und nicht sesshaft werden. Oftmals sind auch die Partner und Partnerinnen bei der UN oder in ähnlichen Arbeitsstrukturen tätig, sodass über gemeinsame Bewerbungen versucht wird, an einem Ort zu landen. Für Kinder bedeutet das aber auch, dass sie über lange Strecken nur mit der Mutter oder dem Vater zusammenleben.

Die neuen Medien werden genutzt, um überall auf der Welt miteinander zu kommunizieren. Während meines Aufenthaltes hatte ich zwei Sitzungen, in den via Telefon, via Skype oder beides zugleich TeilnehmerInnen zu geschaltet wurden. Da bereits alle daran gewohnt sind, macht es in der Runde auch kaum einen Unterschied. Allerdings sind die Sitzungen hoch effektiv und sehr konzentriert. Oft war es arbeitsbedingt, dass aus der Arbeit in den Feldbüros oder an anderen UN Standorten Personen zugeschaltet wurden. Es wurde aber auch offen damit umgegangen, wenn jemand von zu Hause zugeschaltet war, etwa weil die Person das kranke Kind pflegen musste oder den Hochzeitstag der Schwiegereltern vorzubereiten hatte. Flexibilität und Toleranz trafen hier auf eine Arbeitskultur des Vernetzens.

Noch etwas fiel auf: Alle zwei bis fünf Jahre den Arbeitsplatz zu wechseln bedeutet permanente Personalfluktuation. So kam es, dass Herr X für ein Gespräch vorgesehen war, dieser aber letzte Woche abberufen wurde und Frau Y das Gespräch genau an dem Punkt übernahm, an dem er es fortführen wollte. Wie machen sie das? Wir sind eine UNICEF Familie und machen gute Übergaben, daran sind wir gewöhnt, war die Antwort. Nur die Erinnerungen in den Mitbringsel und die selbstgemalten Karten der Kinder – die hatten Kontinuität, wenn auch mit anderen Hintergrund.

Gender Action Plan – Entwicklungshilfe 4.0

Ich treffe Anju Malhotra in ihrem Eckbüro. Das interessante an New York ist, dass die Menschen hier von überall herkommen. Die gemeinsame Sprache ist Englisch mit allen Verfärbungen. Dennoch können Sie sich nicht sicher sein, ob Sie einen US-Citizen, oder jemanden mit einer anderen Nationalität vor sich haben. Spielt irgendwie auch keine Rolle.

Die USA ist ein Einwanderungsland. Hier gibt es Probleme mit Armut, Teilhabe, Ausgrenzung, wie wir sie auch aus Europa kennen. Alles was uns bewegt, bewegt auch die Menschen hier. Aber eins muss man ihnen lassen: Sie haben Einwanderung verinnerlicht und niemand, absolut niemand fragt nach ihrem Migrationshintergrund. Ihre Herkunft steht damit auch nicht im Vordergrund. Es gibt eine Grundhöflichkeit und Akzeptanz untereinander. Ich erwische mich dabei, wie gerne ich mehr über meine Gesprächspartner erfahren würde mit der Nachfrage, woher kommen sie? Aber genau diese Frage ist tabu. Oder man erhält bestenfalls die Wohnadresse als Antwort. So weiß ich auch nicht, woher Anju kommt, vermute aber indischer Abstammung- was, wie gesagt, auch keine Rolle spielt.

Sie ist zuständig für den Gender Action Plan innerhalb UNICEF. Dieser hat zurzeit vier Hauptziele:

  • Geschlechterorientierte Gewaltstrukturen aufdecken und verhindern.
  • Mädchen Weiterbildung nach der Grundschule ermöglichen
  • Geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung  (z.B. Präventives verhindern von HIV, Mädchenbeschneidung, frühe Schwangerschaften, sexuelle Aufklärung, Ernährungsfragen)
  • Verhinderung von Zwangsheirat

Am Beispiel dieser stellt Anju dar, wie Programme vor Ort für die Umsetzung entwickelt werden.

Von Zwangsheirat sind bei weitem nicht nur Mädchen betroffen, erfahre ich von ihr, sondern auch Jungen, wenn auch weniger. Hierzu gehört viel Aufklärung, Überzeugungsarbeit und Änderung der Gesetze in den jeweiligen Ländern und die Einhaltung dieser. „ Wir verhandeln mit den Ländern, wir bilden vor Ort Kräfte aus, die als Multiplikatoren Aufklärungsarbeit leisten und wir helfen jungen Menschen, die Schutz und Hilfe davor suchen.“ Eine der Programme geht in Zusammenarbeit mit den älteren Frauen in den Dörfern. Diese werden mit Smartphones ausgestattet, sie informieren die Behörden über Geburten und Hochzeiten. So können ganz gezielt Impfungen gegen Polio, Geburtshilfe und auch Schutz vor Minderjährigenheirat vor Ort angegangen werden. Im Gegenzug bekommen die Frauen ein Entgelt für ihre „Community Services“ und verdienen oft zum ersten Mal ihr eigenes Geld. Es wird ihnen auf ein auf sie registriertes Konto überwiesen, worauf nur sie Zugang haben. Über Smartphones können sie ihre Kontodaten abrufen. Darauf sind sie stolz. „Wenn wir die älteren Damen gewinnen, bekommen wir Zugang zu den anderen Mitgliedern der Familie und können sowohl Aufklärungsarbeit als auch präventive Gesundheitsversorgung besser einsetzen. Damit schützen wir junge Menschen. In einigen Regionen gibt es damit erstmals eine Erfassung von Geburten und Sterbenden. „Das verschafft uns Daten für weiteres Handeln.“  Entwicklungshilfe 4.0! Ein Konzept, woran weiter gearbeitet wird.

In vielen Regionen der Erde sind inzwischen mehr Smartphones und Telefone im Einsatz als vorhandene Bücher. Die Netzabdeckung sei ebenfalls vorhanden. Die Kommunikationsindustrie scheint da auf dem Vormarsch zu sein. „Deshalb brauchen wir sie auch als Partner für die Entwicklungszusammenarbeit“ sagt Anju.

Gender ist ein Querschnittsthema, so auch bei UNICEF. Die Abteilung von Anju arbeitet eng mit allen anderen Bereichen zusammen. „Für alle Programmbereiche setzen wir Ziele fest, an deren Erfüllung wir dann gemeinsam arbeiten. Oftmals erkennen die Programmzuständigen erst durch das Gespräch mit uns, wie ihre Arbeit mit Geschlechtergerechtigkeit zusammen hängt. Zum Beispiel werden Mädchen seltener immunisiert als Jungen, weil die Eltern sie nicht zu den Ärzten bringen. Erst durch unsere Smartphone- Projekte konnten wir das deutlich nachweisen und präventiv dagegen angehen.

Ein anderes Beispiel: in der Grundschule sind Mädchen und Jungen gleichermaßen beschult, in der weiterführenden Schule sind es deutlich weniger Mädchen. Sie werden zu Hause zur Hausarbeit, zur Unterstützung der Mutter und zur frühen Ehe angehalten.  „Deshalb gehen wir aktiv die Beschulung der Mädchen auch in der weiterführenden Schule an“

Die Entwicklungshilfeforschung weiß seit den 80er Jahren, wie wichtig die Förderung von Frauen für die Entwicklung eines Landes ist. Bei den Mädchen damit zu beginnen ist ein richtiger und wichtiger Ansatz.

Inside UNICEF - Woher kommt das Geld zu UNICEF und wohin fließt es?

Lagezentrum für Nothilfe- noch ist es ruhig!
Büros der Mitarbeiter, klein&bunt
In den Räumen von UNICEF
Ein Dankeschön aus Indien

UNICEF arbeitet in der Programmabteilung an sieben Themenschwerpunkten und zwei Querschnittsbereichen.

Die Sieben Schwerpunkte setzen sich wie folgt zusammen:

1)      Gesundheit

2)      HIV/AIDS und Kinder

3)      Wasser, Hygiene und Sanitäranlagen

4)      Ernährung

5)      Kinderschutz

6)      Soziale Inklusion

7)      Im Querschnitt zu den genannten sechs Themen liegt Geschlechtergerechtigkeit und Stärkung von Mädchen und Frauen sowie Adoleszenz, worüber ich bereits berichtet habe.

Diese Ziele werden in den Regionalbüros adaptiert und entsprechend der Lage vor Ort in Programme umgewandelt und implementiert. Da UNICEF in den Ländern lokale Einheiten hat, vorwiegend Ortskräfte qualifiziert und mit ihnen zusammenarbeitet, kann in den Programmen nachhaltig und langfristig an den Entwicklungs- und Ausbaustrukturen gearbeitet und somit auch durch Nachhaltigkeit gestaltet werden.

Für humanitäre Hilfe und Aufbau gibt es eine eigene Abteilung.

Daneben gibt es auch eine Abteilung für Nothilfen. Diese teilen sich auf in „Naturkatastrophen“ und den von den „Menschen erzeugten“- „Man-Made“- also durch Flucht und gewalttätige Konflikte erzeugten humanitären Notsituationen. Die Leiterin der Abteilung führt das Lagezentrum vor. Dieses ist 24 Stunden/ 7 Tage die Woche besetzt. Täglich finden hier Lagebesprechungen statt, in enger Kommunikation mit den Mitarbeiterinnen auf dem Feld und mit den Distributionseinheiten in den einzelnen Regionen. Hier rufen auch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an, die selbst in ihrem Einsatz in Not geraten sind und Hilfe anfordern. Evakuierungen als auch Soforthilfe, Einsatzplanung und Transportanweisungen für Hilfsgüter kommen von hier.

Ich erwische eine der wenigen Minuten im Raum und erlebe Minuten später, wie ein Anruf aus Jemen das Lagezentrum erreicht und wie schnell Hilfsgüter für Flüchtlinge, von Notzelten bis hin zu Wasseraufbereitungsanlagen und Nahrungsmittel, auf den Weg gebracht werden. Das Personal selbst wird in der ersten Etappe in der Region, auch in Zusammenarbeit mit anderen Nichtregierungsorganisationen, rekrutiert. Experten werden entsprechend hinzu gezogen und reisebereit gemacht. Eine Abteilung sorgt für schnelle Anreisemöglichkeiten der Experten inklusive der Beschaffung der Reisegenehmigungen und der Visa. Alles läuft hochkonzentriert und sehr professionell ab. Die neuen Medien sind hier im Dauereinsatz; Sie sind das Hauptkommunikationsmittel für die Vernetzung aller und gewährleisten schnelles gezieltes und vernetztes Handeln.

Die Leiterin berichtet mir, dass in den Phasen der Soforthilfe immer auch an Nachhaltigkeit   gedacht wird. „Zunächst einmal sorgen wir für Soforthilfe, aber dann bauen wir feste Infrastrukturen auf, die auch dann noch funktionieren, wenn die Soforthilfe abzieht. Zum Beispiel werden Wasserrohre verlegt und Brunnen zur öffentlichen Nutzung aufgebaut. Da wir in den meisten Ländern bereits seit längerem Einheiten haben, die auch dann bleiben, wenn andere längst abgezogen sind, wissen wir auch, wo die sensiblen Punkte sind und wie wir die Kooperation mit den Länderregierungen so gestalten, dass unsere Hilfe ankommt und nachhaltig ist. In Haiti zum Beispiel sind immer noch Leute vor Ort und arbeiten weiterhin an den Versorgungsstrukturen und dem Aufbau von Schulen.“

In Nepal, lese ich aus einem Länderbericht (die gibt es zu jeder Krisenregion), waren von dem Erdbeben der Stärke 7.8 insgesamt 4,2 Mio. Menschen betroffen, darunter 1,7 Mio. Kinder. An die 88.000 Menschen starben, es gab mehrere Tausend Verletzte. UNICEF hat für knapp ein Drittel der Menschen die Wasserversorgung gesichert. 22.500 Mütter mit neugeborenen Babys und Schwangere wurden medizinisch versorgt und fanden Schutz in UNICEF Quartieren. 170.000 Kleinkinder (zwischen 6 und 59 Monaten) wurden mit entsprechenden Nahrungsmitteln und präventiven Gesundheitsmaßnahmen versorgt (wie zum Beispiel Impfungen gegen ansteckende Krankheiten und Choleraprävention). Durch „Community Groups“ wurden über 140.000 Kinder erreicht, die vor Missbrauch, Verschleppung, Gewalt und Ausbeutung und Menschenhandel geschützt wurden.

Dies alles hat an die 120 Mio US $ gekostet. Davon sind 60% gedeckt. Für die weiteren 40% werden noch Mittel benötigt.

Der Leiter der Programmabteilung erklärt mir den Unterschied von UNICEF zu anderen Einheiten. „Die NGOs, mit denen wir gern und eng zusammenarbeiten, sind meistens sehr punktuell im Einsatz. Die Entwicklungshilfe der Länder ist in der Regel projektbezogen. Wir aber haben Länderbüros bereits seit 40 bis 50 Jahren vor Ort. Wir kennen die Akteure, genießen hohes Vertrauen und können an der Änderung der Strukturen ansetzen. Bei uns heißt es Gesundheit zu sichern, nicht nur Impfen. Wir bilden Krankenpfleger und Experten aus, bauen in Absprache mit den Regierungen Strukturen der Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder auf. Oft greifen andere Organisationen auf uns zurück, da wir uns das Vertrauen der Menschen vor Ort erarbeitet haben und sie kommunikativ erreichen. “

Woher kommt das Geld? UNICEF erhält einen Teil ihres Budgets aus den Mitgliedsländern der UN, den weiteren Teil durch Spenden und interorganisationalen Übertragungen (so zum Beispiel wenn sie für andere UN Organisationen Einsätze mit übernehmen oder ausführen, da diese nicht vor Ort anwesend sind).

Deutschland war bei den offiziellen Mitteln an UNICEF jahrelang eines der Schlusslichter, im vergangenen Jahr sind wir von Platz acht zu Platz vier aufgestiegen. Allerdings durch eine sehr konzentrierte Hilfe für Syrienflüchtlinge. Einige im Haus machen sich Sorgen, dass diese Mittel nicht von langer Dauer sind. Deshalb gibt es ein großes Interesse an Kontakten zu den Ministerien in Deutschland. „Wir erfahren eine gewisse Zurückhaltung von den Ministerien, anders als von den politischen Akteuren“ wird mir vertrauensvoll zugeflüstert.

In der Tat zeigen das auch die Zahlen. Bei den regulären Zahlungen aus Deutschland sind wir weiterhin auf Platz 12. Bei den Nothilfemitteln auf Platz 3. Damit reduzieren wir die Ressourcen für den Aufbau von langfristigen nachhaltigen Strukturen vor Ort. Aber genau diese Strukturen, wie Investitionen in Bildung, Gesundheit, Ernährung und Gewaltvermeidung, führen dazu, dass Menschen erst gar nicht fliehen müssen.

Immer wieder geht es mir durch den Kopf: Deutsche Hilfe ist zwar da wenn sie dringend gebraucht wird, aber weniger daran beteiligt, dass es gar nicht erst so weit kommt. Dabei könnten wir sehr wohl Ressourcen dafür aufbringen. Unsere Selbstverpflichtung 0,7% unseres BIP für die Entwicklungshilfe zu verwenden, haben wir noch lange nicht erreicht. Trotz Steigerungen der Regierung in den letzten Monaten (die vorwiegend für dringende Nothilfe aufgewandt wurden) sind wir noch unter 0.4% - da ist noch Luft und vor allem die Pflicht nach oben. Für UNICEF gilt, je stetiger die Mittel, desto effektiver der Einsatz, deshalb sind sie auch an diesen interessiert.

Anders schaut es bei den freiwilligen Spendenaufkommen aus Deutschland aus. Hierfür arbeitet UNICEF Deutschland auf ehrenamtlicher Basis in Ortsgruppen und im Deutschen Komitee für UNICEF. Der Fleiß der Ehrenamtlichen sorgt dafür, dass sie der drittgrößte Spendensammler weltweit sind. Der Dank kann nicht groß genug sein! Sie tragen mit jedem Cent dazu bei, dass dorthin Licht ins Dunkle geworfen wird, wo sonst keiner hinschaut - auf die Lage der Kinder in der Welt, auch dann, wenn alle ihre Nothilfe und Einzelprojekte abziehen. Sie sorgen für eine kontinuierliche Arbeit in den unterentwickeltsten Regionen der Welt. Daran, dass das Leben eines jeden, unabhängig vom Alter und Geschlecht, etwas wert ist. Im Jahresbericht von UNICEF Deutschland wird detailliert aufgezeigt, wofür das Geld verwendet wird.

Und noch ein Vorurteil baue ich hier ab: Es ist bei weitem nicht so bürokratisch und gigantisch, wie man sich eine UN Organisation vorstellt. Ich erlebe die Mitarbeiter hoch konzentriert, mit viel persönlichem Einsatz innerhalb von wenigen Minuten, das Unmögliche möglich machen, wenn es sein muss. Auch unter Einsatz ihrer eigenen Sicherheit.

„Was treibt dich an?“ frage ich eine der Mitarbeiterinnen: „ich bin zwar in New York für eine Weile eingesetzt, aber ich kann es kaum erwarten, wieder vor Ort in einem der Länderbüros zu sein und mit den Menschen zu arbeiten. Es ist sehr erfüllend und mit jedem Lächeln, das dir zugeworfen wird, weißt du, dass es richtig und wichtig ist.“

Women’s Major Group

Ich nutze meine Reise auch, um mich auch in anderen Themen fortzubilden und neue Menschen kennenzulernen. Am Freitagmorgen nehme ich an einem Treffen der Frauenrechtsorganisation namens Women´s Major Group teil.

Sie ist eine der zahlreichen Nichtregierungsorganisationen, die innerhalb der UN tätig ist und an der Erstellung der SDGs- der Sustainable Development Goals, also der Arbeitsziele der UN, beteiligt ist. Heute sprechen sie über die Themen Klimaschutz und Gerechtigkeit.

Frauen aus allen Teilen der Erde haben sich hier zusammengetroffen, um sich für Nachhaltigkeit und den Klimaschutz einsetzen. „Es sind Frauen, die Feuer machen und Stunden zu Wasserquellen laufen müssen“ sagt eine Teilnehmerin, offensichtlich aus Afrika, „vor allem die älteren Frauen sind diejenigen, die alleine gelassen werden und keine Unterstützung bekommen“ eine Amerikanerin? Europäerin? Schwer zu sagen. Ich bekomme einen blauen Freundschaftsschaal umgehängt. Dieser steht für saubere Luft und sauberes Wasser - sagt mir die Leiterin (aus Deutschland). Dann werde ich ausgefragt. Was macht ihr in Deutschland, wie kommt ihr mit der „German Energiewende“ voran. Habt ihr ein Ministerium für Frauenrechte? Was beschäftigt euch? Am Ende der Sitzung bin ich ganz außer Atem. Da greift mich die Vertreterin aus der Türkei ab. „Wir haben Angst“ sagt sie, „niemand in der Türkei kann im Moment sagen, wie es weiter geht, nur eins ist gewiss, es geht rückwärts. In Sachen Frauenrechte war das Land schon mal viel weiter. Kannst du das nicht ändern?“ – Ich bin betroffen. Eine etwas zu hohe Erwartung an einen einzigen Menschen: Verändere die Welt und sorge für mehr Menschenrechte und Klimaschutz. Ich alleine kann sie nicht verändern, aber ich kann meinen Beitrag dazu leisten. Ich fange sofort damit an. An diesem Tag trage ich mit Stolz einen blauen Schaal durch die New Yorker Hitze und alle die mich danach fragen, bekommen es erklärt. Es fragt nur keiner. Aber die Energie der Frauen ist dennoch ansteckend.

Action Plan

Pieter, Nicholas, Shannon and me
Zuschauerbänke für Nichtregierungsorganisationen und Gäste der UN
UN Hauptquartier
Blick aus der 13 Etage UNICEF-Haus

In Syrien sind durch den aktuellen Konflikt 12,2 Millionen Menschen in Not. Sie fliehen vor Gewalt, vor Hunger, vor Unterdrückung. Darunter sind 5,6 Millionen Kinder, die humanitäre Hilfe brauchen. 4 Millionen Menschen sind auf der Flucht, darunter die Hälfte davon Kinder, 4,8 Millionen Menschen sind für Nothilfe überhaupt nicht erreichbar. Für 700.000 Menschen hat UNICEF in den Flüchtlingslagern die Wasserversorgung sichergestellt. 122.000 Kinder werden in den Lagern unterrichtet. An die 300.000 Kinder bekommen gesundheitliche und psychologische Behandlung und Unterstützung in Kinderschutzarealen. Das sich selbst gesteckte Ziel von UNICEF ist noch lange nicht erreicht. Hierfür wurden im Jahr 2015 58 Millionen US $ ausgegeben. Auch das Entwicklungsministerium in Deutschland hat für diese Nothilfe Mittel überwiesen. Dieses Engagement wurde sehr positiv wahrgenommen.

Auch wenn die Nothilfebeispiele am ehesten UNICEF zugeschrieben werden und die Organisation in der Entwicklungshilfe vor Ort geortet wird, UNICEF macht mehr als das. Sie arbeitet an der strategischen Ausrichtung der Vereinten Nationen.

In den vergangenen Jahren waren die Vereinten Nationen mit ihren Millenniumszielen stark am Aufbau von Strukturen der Entwicklungszusammenarbeit ausgerichtet. Hier zum Nachlesen.

Inzwischen gibt es einige Auswertungen darüber, wie erfolgreich diese Ziele waren und welche Ziele noch immer in der Ferne sind. Die Vereinten Nationen arbeiten an einer Fortentwicklung der Ziele als eine Selbstverpflichtung der Mitgliedsstaaten. UNICEF ist dabei sehr darauf bedacht, dass Kinderrechte in dieser Zielsetzung beachtet werden. Stolz zeigen mir die Mitarbeiter jeden Satz, jedes Wort, welches sie verhandelt haben. „Kinderschutz ist mehr als Grunddaseinsfürsorge“ sagen mir die zuständigen Mitarbeiter. Damit definieren sie in einem Satz auch die wesentliche Neuausrichtung der „SDG‘s –Sustainable Development Goals“.

Diese adressieren ihre Forderungen nicht nur an Entwicklungsstaaten oder Schwellenländern, sondern auch an die entwickelten Länder. „Klimaschutz, Flucht und Konflikte gehen uns alle etwas an, nicht nur die Ärmsten auf dem Planeten. Daher reicht Entwicklungspolitik nicht mehr aus, es muss viel mehr um gemeinsame Verantwortung gehen“.  

Grundsätzlich ist UNICEF nur in Staaten mit Programmen aktiv, die als Entwicklungsland eingestuft werden. Allerdings wird diese Einstufung immer mehr verwässert, lerne ich. Es gibt immer mehr Staaten, die nach wie vor sehr viel Armut haben, wo Menschen hungern und die keinen Zugang zur Grunddaseinsfürsorge haben. In diesen Regionen gibt es auch Reichtum, mehr als je zuvor jemals angehäuft. Indien zum Beispiel ist ein Entwicklungs-, Schwellen- und entwickeltes Land zugleich. Es gibt sehr viel Reichtum und noch mehr Armut. “In der Verteilung stimmt etwas nicht. Wir können die Armen deshalb noch lange nicht sich selbst überlassen. Wenn das überwunden werden soll, müsste an erster Stelle die Korruption bekämpft und „Good Governance“, also ein verantwortungsvolles Regierungs- und Verwaltungssystem, eingeführt werden“, so Nick Alipui, der in der Strategie der SDG‘s für UNICEF mitarbeitet. Die Ernährungsexperten im Haus geben als Beispiel zu bedenken, dass Hunger und Übergewicht immer mehr in den gleichen Regionen zu finden ist. „Entweder die Menschen hungern oder sie greifen zu künstlich aufbereiteten Nahrungsmitteln wie Fast food - als ein Zeichen von Status und Reichtum.“ Also müssen wir Nachhaltigkeit so definieren, dass sie Zugang zu Nahrungsmitteln schafft, ohne Verschwendung und künstliche Aufbereitung zu fördern.“

UNICEF –Projekte jetzt auch bei uns?

Es gab bisher nur zwei UNICEF- Einsätze in entwickelten Staaten, das erste Mal beim Wirbelsturm Katrina in den Vereinigten Staaten und das zweite Mal bei den Evakuierungsmaßnahmen in Fukushima in Japan. Diese Noteinsätze mussten ausdrücklich von dem UN Generalsekretariat als Ausnahmentatbestand genehmigt werden. Grundsätzlich gilt, UNICEF Projekte nicht in Geberländern.

Anders arbeitet UNICEF als Kinderrechtsorganisation. Das Deutsche Nationalkomitee versteht sich als Anwalt für Kinderrechte und nimmt diese Aufgabe durch zahlreiche Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Öffentlichkeitsarbeit wahr. Sieben Prozent der eingenommenen Spenden werden hierfür verwendet. Dazu gehören Aktionen wie der „Bericht zur Lage der Kinder in der Welt“ oder das „Foto des Jahres“. Aber auch Öffentlichkeitsarbeit wie zum Beispiel für Kinderarmut, Kinderrechte ins Grundgesetz und Kinderfreundliche Kommune.  

Wie aber wird die Lage der Flüchtlinge in Europa eingeschätzt? Noch nie waren so viele Kinder auf der Flucht wie derzeit. Hier ist großer Bedarf an Sorgearbeit im Umgang mit ihnen. Dazu gehört ihnen Schutz und Sicherheit, Nahrungsmittel und Bildung zukommen zu lassen. Das, was für alle Kinder gilt, gilt auch für sie: Sie haben Recht auf Kindheit und Fürsorge. UNICEF Deutschland hat wesentliche Forderungen für die Kinderechte in einem Band veröffentlicht.

Hier sind Taten gefragt. So kommt es auch, dass zum ersten Mal die UNICEF Zentrale gemeinsam mit dem Nationalkomitee in Italien an einem Projekt zusammen mit der Italienischen Regierung an der Situation der Kinder in Flüchtlingseinrichtungen arbeitet. Wobei UNICEF primär Vorschläge macht und Wege aufzeigt, wie die Stärkung der Kinderechte die Situation der Kinder  vor Ort verbessern kann. Projektmittel werden hierfür nicht aufgewendet. Die Umsetzung übernimmt die Regierung. „Mit den SDG‘s haben wir Möglichkeiten, stärker mit unserer Expertise als Ratgeber in entwickelten Ländern einbezogen zu werden“, meint Nick. Ändert sich damit die Rolle der Nationalen Komitees? Darüber werden diese in der kommenden Zeit noch zu beraten haben.

Im Herbst werden die Mitgliederstaaten zu der Verabschiedung der neuen Ziele in New York zusammenkommen. Unter den zahlreichen Vertretern wird auch der Papst mit einer Rede an die Weltgemeinschaft erwartet. Deutschland wird durch die Kanzlerin vertreten werden. Meine Fraktion arbeitet an Anträgen, um die Debatte in Deutschland auf die parlamentarische Ebene zu bringen. In den konkreten Umsetzungsprojekten wird UNICEF an noch einem Punkt eine große Rolle spielen. Sie haben die größte und längste Erfassung zur Lage der Kinder in der Welt. Darunter auch zu Themen wie Zugang zu Wasser, Ernährung und Gesundheit, aber auch zu Gewalt gegen Kinder und Kinder auf der Flucht sowie Kindersterblichkeit. Die IWF, die Weltbank, die Vereinten Nationen und zahlreiche andere Organisationen greifen regelmäßig darauf zu. Die Daten entstehen über die kontinuierliche Gewährleistung der Arbeit vor Ort, den Einsatz von Ortkräften, die den besten Zugang zu den Menschen haben und deren Vertrauen genießen und eine professionelle Expertengruppe, die weiß, worauf es ankommt. Unter http://open.unicef.org sind alle diese Daten offen zugänglich und werden auch zur Entscheidungsfindung genutzt.

Ich habe in den vergangenen Tagen viel gelernt, viel Erfahren und persönliche Bekanntschaften gemacht. Ich durfte UNICEF bei der Arbeit zusehen, mein Wissen und meine Erfahrungen bei ihnen einbringen und neue Ideen mitentwickeln. Mein Dank gilt ganz besonders Pieter und Laila, die mir das organisatorisch möglich gemacht haben und natürlich allen anderen, denen ich unzählige Fragen stellen durfte. Ich werde, wie zuvor auch, ein Teil der UNICEF Familie bleiben, jetzt erst Recht und aus Überzeugung - im Einsatz für Kinderrechte!

Passend dazu könnt Ihr hier meinen Blogeintrag auf UNICEF.de lesen.

UN-Women

Zu Gast bei WCF international

Mit der Debatte um die SDGs (Sustainable Development Goals, Nachhaltige Entwicklungsziele), sind die Arbeiten aller Unterorganisationen der UN geprägt, so auch die Arbeit von UN Women. UN Women existiert erst seit fünf Jahren und definiert ihren Auftrag über die Verteidigung und Umsetzung der globalen Frauenrechte und die Umsetzung der Projekte in diesen Bereichen. Ein wesentliches politisches Organ ist die jährlich im März stattfindende FRK (Frauenrechtskommission) in New York. Dort werden Nichtregierungsorganisationen und Regierungen zusammengebracht, um die besten Ideen und Implementierungsprozesse für Frauenrechte untereinander auszutauschen, sich selbst auf Jahresziele zu einigen und an diesen zu arbeiten. In Deutschland arbeiten sie eng mit dem Familienministerium zusammen, sowie auch bei einzelnen Entwicklungshilfeprojekten mit dem Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Auch sie arbeiten an einem Fond: Diesmal zur Stärkung der Zivilgesellschaft für die Umsetzung der Frauenrechte.

Humanitäre Nothilfe- OCHA

Weniger von strategischen als auch von tagespolitischen Krisen geleitet, ist die Arbeit von OCHA – Amt für Koordinierung Humanitärer Angelegenheiten oder kurz: Nothilfekoordinator. Die Kernfunktionen des OCHA werden von etwa 1900 Mitarbeitern in New York, Genf und im Außeneinsatz ausgeübt.

Das Budget für 2011 machte etwa 242 Millionen USD aus. Davon stammten etwa 5 % (ca. 14 Mill. USD) aus dem regulären Budget der Vereinten Nationen, der Rest aus eigenen Budgetmitteln, die von den Mitgliedstaaten, der Europäischen Union und spendenden Organisationen, zur Verfügung gestellt werden. Den Vorsitz hat derzeit das Vereinte Königreich inne.

In ihrem Report zur Humanitären Lage in der Welt geben sie einen sehr guten Überblick über ihre Einsätze und damit auch über die Lage der Nothilfe in der Welt: http://www.unocha.org/2014annualreport/

Die Konflikte werden immer komplexer, erfahre ich von meinen Gesprächspartnern. Und zwar sowohl jene, die in Folge von Kriegen entstehen, als auch diejenigen, die von Naturkatastrophen ausgelöst werden. Letztere kommen in der Regel immer mit desolaten Situationen vor Ort einher. Daher plant OCHA aus Erfahrung ihre Einsätze auf eine immer längere Einsatzperiode, im Durchschnitt sieben Jahre. Je länger die Hilfsstrukturen andauern, desto mehr Menschen werden erreicht. Das steigert allerdings auch den Bedarf und somit auch die Kosten. Daher ist ihr Finanzbudget insbesondere in den letzten Jahren gestiegen und dennoch reicht es nicht aus, um den eigentlichen Bedarf zu decken. „Wir haben inzwischen die Kosten der Blauhelme und die der Sicherheitsarchitektur überholt“ sagt mir einer der Mitarbeiter.

Die Auswertung der Arbeit fällt unterschiedlich aus. Dort, wo funktionierende Systeme nach der ersten Hilfsphase strukturelle Aufbauarbeit leisten, ist der Erfolg schnell sichtbar und nachhaltig. Nach der verheerenden Zerstörung durch den Tsunami oder dem Hochwasser in Mozambique, wurden Sicherheitsstrukturen und Präventivmaßnahmen umgesetzt und in Infrastrukturen investiert. Inzwischen gelten beide Länder als in der Entwicklung befindliche Länder mit guten wirtschaftlichen Zahlen. Anders verläuft es in Syrien, Irak und anderen Staaten in der Region. Ohne verlässliche Partner, einem hohen Grad an Korruption und wenig Selbstanstrengung, läuft jede Hilfe ins Leere und kann nur das Leid nur für den Moment lindern, lerne ich. Im Irak werden Ende des Jahres aus Mangel an Mittel und Unterstützung alle 184 Gesundheitszentren der UN geschlossen. Damit werden die einzigen festen, zuverlässigen Strukturen vor Ort zerstört, ein Wiederaufbau wird um einiges schwieriger sein und das gewonnene Vertrauen wird zerstört.

Für OCHA steht in den politischen Fragen eines im Vordergrund: „Das Humanitäre Imperativ“- Leben retten und hierfür gibt es keine politischen Grenzen und Bedingungen. Das bedeutet, dass sie sich auch mit kritischen Gesprächspartnern einigen und in unsichere Situationen begeben, um das Überleben von Menschen zu sichern.

Rechnungsprüfung der UN

Mein letzter Besuch galt dem Audit Operations Comitee (Rechnungsprüfungsausschuss) der UN. Die Direktorin führt mich durch die Räume und stellt mir einige Mitarbeiter vor. Diese sind, wie auch in anderen Einrichtungen, sehr international aufgestellt und die Arbeitssprache ist Englisch. Ebenso lerne ich einiges über deren Arbeitsweise und die dazugehörigen Strukturen kennen. Jedes Jahr im Juli wird ihr Bericht zur Diskussion dem Haushaltsausschuss der UN vorgelegt und daraus resultieren dann Handlungsanweisungen an die jeweiligen Organisationen. Die Rechnungsprüfer sind für zwei Jahre ernannt und dürfen maximal sechs Jahre am Stück im Amt bleiben. Deutschland war bisher nur einmal für zwei Jahre Teil der Geschäftsstelle. Daher wird es sehr begrüßt, dass sich Deutschland für die neue Periode bewirbt. Neben Deutschland werden Indien und Tansania im Team sein.

Für die Geschäftsführerin ist es von Vorteil, Länder mit Rechnungsprüfungserfahrung in das Team zu bekommen. In der Regel sind sie sehr schnell in die Strukturen eingearbeitet und können somit dann auch gleich loslegen. Allerdings bedauert sie zugleich, dass insbesondere die europäischen Länder im Vergleich zu vielen anderen die Anzahl der Mitarbeiter knapp halten, da Personal sehr viel kostet. Während Indien und Tanzania mit „hunderten“ von Mitarbeitern anrücken, wird es bei uns übersichtlich sein. Allerdings werden die Mitarbeiter anderer Staaten erst in der Arbeit ausgebildet, während eben dies bei uns eine Voraussetzung ist.

Die Herausforderungen an die kommende Periode werden vor allem folgende sein:

  • Implementierung von IPSAS und IRP System auf UN Ebene
  • ERM- Enterprise Risk Management - Überprüfungen der Strukturen zur Effektivität und Fonds-Management
  • Resultsbased Management (Zielorientierte Führungsstrukturen)
  • Transparenz in Overheadkosten (Verwaltungskosten)

Die Geschäftsführerin bietet eine Einführungsveranstaltung zur Rechnungsprüfung der UN vor Ort an, und zwar sowohl für die künftigen Mitarbeiter, als auch für andere Interessierte – in unserem Fall würde sich dieses Angebot an den Bundesrechnungshof richten.

Ich nutze zugleich die Gelegenheit anzukündigen, dass eine Delegation von Parlamentariern im Herbst vor Ort sein wird, um das Gespräch mit ihr zu suchen. Daraufhin bekomme zugesagt, dass sie versuchen wird, dies möglich zu machen und dass sie sich auch bemühen wird,  Kollegen aus der Direktorenebene hierzu miteinzubeziehen.