Action Plan

28. Juli 2015
Pieter, Nicholas, Shannon and me
Zuschauerbänke für Nichtregierungsorganisationen und Gäste der UN
UN Hauptquartier
General Assembly- hier werden im Herbst alle Nationen zusammenkommen zu den Beratungen über die SDGs
Blick aus der 13 Etage UNICEF-Haus
Frieden in der Welt schaffen

Reisetagebuch, Tag7:

Action Plan

In Syrien sind durch den aktuellen Konflikt 12,2 Millionen Menschen in Not. Sie fliehen vor Gewalt, vor Hunger, vor Unterdrückung. Darunter sind 5.6 Millionen Kinder, die humanitäre Hilfe brauchen. 4 Millionen Menschen sind auf der Flucht, darunter die Hälfte davon Kinder, 4,8 Millionen Menschen sind für Nothilfe überhaupt nicht erreichbar. Für 700 000 Menschen hat UNICEF in den Flüchtlingslagern die Wasserversorgung sichergestellt. 122 000 Kinder werden in den Lagern unterrichtet. An die 300 000 Kinder bekommen gesundheitliche und psychologische Behandlung und Unterstützung in Kinderschutzarealen. Das sich selbst gesteckte Ziel von UNICEF ist noch lange nicht erreicht. Hierfür wurden im Jahr 2015 58 Millionen US $ ausgegeben. Auch das Entwicklungsministerium in Deutschland hat für diese Nothilfe Mittel überwiesen. Dieses Engagement wurde sehr positiv wahrgenommen.

Auch wenn die Nothilfebeispiele am ehesten UNICEF zugeschrieben werden und die Organisation in der Entwicklungshilfe vor Ort geortet wird, UNICEF macht mehr als das. Sie arbeitet an der strategischen Ausrichtung der Vereinten Nationen.

In den vergangenen Jahren waren die Vereinten Nationen mit ihren Millenniumszielen stark am Aufbau von Strukturen der Entwicklungszusammenarbeit ausgerichtet. Hier zum Nachlesen http://www.bpb.de/veranstaltungen/netzwerke/teamglobal/67450/milleniumsziele-im-ueberblick

Inzwischen gibt es einige Auswertungen darüber, wie erfolgreich diese Ziele waren und welche Ziele noch immer in der Ferne sind. Die Vereinten Nationen arbeiten an einer Fortentwicklung der Ziele als eine Selbstverpflichtung der Mitgliedsstaaten. UNICEF ist dabei sehr darauf bedacht, dass Kinderrechte in dieser Zielsetzung statt finden. Stolz zeigen mir die Mitarbeiter jeden Satz, jedes Wort, welches sie verhandelt haben. „Kinderschutz ist mehr als Grunddaseinsfürsorge“ sagen mir die zuständigen Mitarbeiter. Damit definieren sie in einem Satz auch die wesentliche Neuausrichtung der „SDG s –Sustainable Development Goals“.

Diese adressieren ihre Forderungen nicht nur an Entwicklungsstaaten oder Schwellenländer, sondern auch an die entwickelten Länder. „Klimaschutz, Flucht und Konflikte gehen uns alle etwas an, nicht nur die Ärmsten auf dem Planeten. Daher reicht Entwicklungspolitik nicht mehr aus, es muss viel mehr um gemeinsame Verantwortung gehen“.  

Grundsätzlich ist UNICEF nur in Staaten mit Programmen aktiv, die als Entwicklungsland eingestuft werden. Allerdings wird diese Einstufung immer mehr verwässert, lerne ich. Es gibt immer mehr Staaten, die nach wie vor sehr viel Armut haben, Menschen hungern und keine Zugang zur Grunddaseinsfürsorge haben. In diesen Regionen gibt es auch Reichtum, mehr als je zuvor jemals angehäuft. Indien zum Beispiel ist ein Entwicklungs-, Schwellen- und entwickeltes Land zugleich. Es gibt sehr viel Reichtum und noch mehr Armut. “In der Verteilung stimmt etwas nicht. Wir können die Armen deshalb noch lange nicht sich selbst überlassen. Wenn das überwunden werden soll, müsste an erster Stelle die Korruption bekämpft und „good governance“, also eine verantwortungsvolle Regierungs- und Verwaltungssystem, eingeführt werden“, so Nick Alipui, der in der Strategie der SDGs für UNICEF mitarbeitet. Die Ernährungsexperten im Haus geben als Beispiel zu bedenken, dass Hunger und Übergewicht immer mehr in gleichen Regionen stattfindet. „Entweder die Menschen hungern oder sie greifen zu künstlich aufbereiteten Nahrungsmitteln wie Fast food- als ein Zeichen von Status und Reichtum.“ Also müssen wir Nachhaltigkeit so definieren, so, dass sie Zugang zu Nahrungsmitteln schafft, ohne Verschwendung und künstliche Aufbereitung zu fördern.“

UNICEF –Projekte jetzt auch bei uns?

Es gab bisher nur zwei UNICEF- Einsätze in entwickelten Staaten, das erste Mal beim Wirbelsturm Katrina in den Vereinigten Staaten und das zweite Mal bei den Evakuierungsmaßnahmen in Fukushima in Japan. Diese Noteinsätze mussten ausdrücklich von UN Generalsekretariat als Ausnahmentatbestand genehmigt werden.

Grundsätzlich gilt, UNICEF Projekte nicht in Geberländern.

Anders arbeitet UNICEF als Kinderrechtsorganisation. Das Deutsche Nationalkomitee versteht sich als Anwalt für Kinderrechte und nimmt diese Aufgabe durch zahlreiche Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Öffentlichkeitsarbeit wahr. Sieben Prozent der eingenommenen Spenden werden hierfür verwendet. Dazu gehören Aktionen wie der „Bericht zur Lage der Kinder in der Welt“ oder das „Foto des Jahres“. Aber auch Öffentlichkeitsarbeit wie zum Beispiel für Kinderarmut, Kinderrechte ins Grundgesetz und Kinderfreundliche Kommune.  

Wie aber wird die Lage der Flüchtlinge in Europa eingeschätzt? Noch nie waren so viele Kinder auf der Flucht wie derzeit. Hier ist großer Bedarf an Sorgearbeit im Umgang mit ihnen. Dazu gehört ihnen Schutz und Sicherheit, Nahrungsmittel und Bildung zukommen zu lassen. Das, was für alle Kinder gilt, gilt auch für sie: sie haben Recht auf Kindheit und Sorge. UNICEF Deutschland hat wesentliche Forderungen für die Kinderechte in einem Band veröffentlicht .http://www.unicef.de/blob/56282/fa13c2eefcd41dfca5d89d44c72e72e3/fluechtlingskinder-in-deutschland-unicef-studie-2014-data.pdf

Hier sind Taten gefragt. So kommt es auch, dass zum ersten Mal UNICEF Zentrale gemeinsam mit dem Nationalkomitee in Italien an einem Projekt gemeinsam mit der Italienischen Regierung an der Situation der Kinder in Flüchtlingseinrichtungen arbeitet. Wobei UNICEF primär Vorschläge macht und Wege aufzeigt, wie Kinderechte die Situation der Kinder  vor Ort verbessern kann. Projektmittel werden hierfür nicht aufgewendet. Die Umsetzung übernimmt die Regierung.

„Mit den SDGs haben wir Möglichkeiten, stärker mit unserer Expertise als Ratgeber in entwickelten Ländern einbezogen zu werden“, meint Nick. Ändert sich damit die Rolle der Nationalen Komitees? Darüber werden diese in der kommenden Zeit noch zu beraten haben.

Im Herbst werden die Mitgliederstaaten zu der Verabschiedung der neuen Ziele in New York zusammenkommen. Unter den zahlreichen Vertretern wird auch der Papst mit einer Rede an die Weltgemeinschaft erwartet. Deutschland wird durch die Kanzlerin vertreten werden. Meine Fraktion arbeitet an Anträgen, um die Debatte in Deutschland auf die parlamentarische Ebene zu bringen.

In den konkreten Umsetzungsprojekten wird UNICEF an noch einem Punkt eine große Rolle spielen. Sie haben die größte und längste Erfassung zur Lage der Kinder in der Welt. Darunter auch zu Themen wie Zugang zu Wasser, Ernährung und Gesundheit, aber auch zu Gewalt gegen Kinder und Kinder auf der Flucht sowie Kindersterblichkeit. IWF, Weltbank, Vereinte Nationen und zahlreiche andere Organisationen greifen regelmäßig darauf zu. Die Daten entstehen über die kontinuierliche Gewährleistung der Arbeit vor Ort, Einsatz von Ortkräften, die den besten Zugang zu den Menschen haben und deren Vertrauen genießen und eine professionelle Expertengruppe, die weiß, worauf es ankommt. Unter http://open.unicef.org sind alle diese Daten offen zugänglich und werden auch zur Entscheidungsfindung genutzt.

Ich habe in den vergangenen Tagen viel gelernt, viel Erfahren und persönliche Bekanntschaften gemacht. Ich durfte UNICEF bei der Arbeit zusehen, mein Wissen und Erfahrungen bei ihnen einbringen und neue Ideen mitentwickeln. Mein Dank gilt ganz besonders Pieter und Laila, die mir das organisatorisch möglich gemacht haben und natürlich allen anderen, denen ich unzählige Fragen stellen durfte. Ich werde, wie zuvor auch, ein Teil der UNICEF Familie bleiben, jetzt erst Recht und aus Überzeugung- im Einsatz für Kinderrechte!