Ja, es gab in den frühen Jahren bei den Grünen die Einflussnahme von Pädophilen. Die Grünen haben ihnen Raum geboten und sogar Beschlüsse in ihrem Sinne gefasst. Das war in jeder Hinsicht falsch. Dafür entschuldigen wir uns. Es ist beschämend, dem nicht schon deutlich früher resolut Einhalt geboten zu haben. So haben wir als Partei zugelassen, dass diese unerträgliches Denken bis weit in die 80er Jahre hinein Teil der eigenen Diskurse war. Wir haben damit das Streben von Pädophilen nach Legitimität und Legalität befördert. Auch wenn wir das glaubhaft beendet haben und seit langem eine dezidierte Kinder- und Gewaltschutzpolitik verfechten, stehen wir allesamt als Partei in der Verantwortung.

Die Aufarbeitung dieses Teils grüner Geschichte hat erst begonnen. Ein wesentlicher Bestandteil dessen ist die in Auftrag gegebene externe Studie. Sie wird das zusammentragen, was nicht bekannt und auch was verdrängt worden ist. Es ist völlig offensichtlich, dass hier keine Gefälligkeitsstudie in Auftrag gegeben oder auf Zeit gespielt wurde. Die Beauftragung ist Ausdruck eines unmissverständlichen Aufklärungswillens.
Die Studie kann und wird nicht Schlusspunkt der Aufarbeitung sein. Es führt kein Weg daran vorbei, in einem eigenen Prozess das Vergangene aufzuarbeiten. Wie kam es zu der falsch verstandener Toleranz gegenüber Pädophilen? Warum wurden deren Vorstellungen nicht von Anfang an von allen in ihrer Ungeheuerlichkeit erkannt und bekämpft? Und warum hat es so lange gedauert, bis wir uns der vollen Tragweite der damaligen Vorgänge bewusst wurden? Wenn sich Opfer an uns wenden, müssen wir gesprächsbereit sein. Für spezifische Fachberatung und akute Hilfestellung ist allerdings der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung die bessere, weil qualifizierte Anlaufstelle.

Ich warne aber auch vor einer pauschalen Aburteilung der Grünen, wie sie zum Teil betrieben wird. Teil der Aufarbeitung darf und muss auch unser konkretes Handeln in all den Jahren sein, nachdem wir jeglichen pädophilen Einflüssen einen Riegel vorgeschoben haben. Unbestreitbar setze wir uns seit über zwei Jahrzehnten konsequent für Kinderrechte und Kinderschutz ein. Man darf nicht einen Großteil unserer Geschichte bei Seite schieben: Wir waren schon immer auch die Partei der Frauenrechtlerinnen, die sich gegen Gewalt gewendet hat, als andere noch Gewalt rechtfertigten bzw. bagatellisierten, z.B. Vergewaltigung in der Ehe, Gewalt in der Erziehung. Wir Grüne haben massiv den Runden Tisch zum sexuellen Missbrauch unterstützt und uns für die Weiterführung der Beauftragtenstelle eingesetzt und tun es immer noch. (siehe hier auch http://www.ekin-deligoez.de/presse-3000039/medienecho-ueberregional/kindesmissbrauch-das-versagen-der-politik.html)

Neben unserer Aufarbeitung in den eigenen Reihen muss es auch generell eine weitere Auseinandersetzung mit dem Thema geben. Es waren und sind noch weitere gesellschaftliche Kräfte und Institutionen von dem Thema betroffen. Die Grünen können ‚nur‘ Teil der Aufklärungsbemühungen sein. Daher ist auch für eine generelle weitere Aufarbeitung zu plädieren. Das könnte etwa in der bevorstehenden neuen Wahlperiode eine zu schaffende Enquete-Kommission des Bundestages sein.

Die sich abzeichnende Instrumentalisierung des Themas im Wahlkampf erweist jeglicher  Aufarbeitung einen Bärendienst. Die Union trachtet mit ihren jüngsten Angriffen offenbar in erster Linie nach Skandalsierung. Auch in Wahlkampfzeiten ist das nicht zu rechtfertigen. Und vor allem ist niemandem damit geholfen.

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