04.06.2013

Hochwasser: Immer öfter, immer höher und immer schneller

Hochwasser: Immer öfter, immer höher und immer schneller

4. Juni 2013

4.6.2013

In zahlreichen Regionen sind abermals dramatische Zustände durch Hochwasser eingetreten. Augenblicklich kommt es darauf an, mit allen bestehenden Möglichkeiten sich den Wasserfluten entgegen zu stellen. Dazu kommt die dringende Notwendigkeit, schnellst möglich und effektiv den Betroffenen in dieser schweren Situation zu helfen. Denn wenn das Wasser abzieht, werden gigantische Schäden zu beseitigen sein. Wenn das Wasser weg ist und die Hilfen anlaufen, dann wird es – leider abermals – Zeit, den Blick auf die notwendigen langfristigen Maßnahmen zu lenken.

Zuerst Hilfe für die Betroffenen

Wie definiert sich “Jahrhunderthochwasser“? Einmal in 100 Jahren kommt es zu einem Hochwasser mit außergewöhnlichen Ausmaßen. Doch wir leben im Zeitalter der menschengemachten Klimaerwärmung, der Flächenversiegelung und der Kanalisierung der Flüsse. Immer häufiger können diese Flüsse die Wassermassen nicht mehr fassen.

Es gab das Hochwasser im Sommer 2002 an der Elbe und ihren Zuflüssen, im August 2005 im Alpenraum und nun 2013 in beiden Regionen zusammen. Wobei es durchaus weitere jahrhundertähnliche Hochwässer dazwischen gab, wie 2009 im Alpenraum.

Die Bilder gleichen sich, die Auswirkungen für die betroffenen Menschen sind unbeschreiblich. Menschen werden verletzt oder sterben. Landwirte, mittelständische Betriebe und Hausbesitzer in den Hochwassergebieten kämpfen um ihre wirtschaftliche Existenz. Sie fürchten Konkurs und Armut. Darum gilt jetzt: versuchen, die Schäden so gering wie möglich zu halten und solidarisch mit den Betroffenen handeln! Die unbürokratische Hilfe für die Betroffenen muss an erster Stelle stehen. Deshalb ist es auch gut, dass Länder und EU schnell finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Damit verdeutlicht die EU-Kommission was hinter der europäischen Idee steckt, Solidarität in Zeiten der Not.

Endlich Konsequenzen ziehen

Doch nach dem Kampf gegen die Fluten müssen wir endlich aus diesen Katastrophen lernen. Es gibt genug Wissen wie diese Hochwasser zustande kommen. Die Gründe sind bekannt. Nicht schon wieder dürfen die wirksamen Maßnahmen den Lobbyinteressen geopfert werden.

Die drei Hauptgründe für die auflaufenden Wassermengen:

Kaum ökologischer Hochwasserschutz: Land auf, Land ab haben die Länder auf den technischen Hochwasserschutz gesetzt. Doch der ökologische Hochwasserschutz – wie Deichrückverlegung oder Schaffung von Überflutungsgebieten - wird noch immer vernachlässigt. Hochwasserschutz, so scheint es, ist auf einem Auge blind.

Versiegelung: Der ungehemmten Flächenverbrauch und die Versiegelung der Flächen sowie technische Maßnahmen, um die Regenmengen immer schneller in die Flüsse zu leiten, kommen hier zusammen. So laufen die Hochwasserspitzen immer schneller und extremer auf. Dazu tragen auch die immer weiter fortschreitenden Entwässerungsmaßnahmen der Landwirtschaft bei. Drainagen und ausgeräumte Gräben führen das Regenwasser zusätzlich schnell in die Flüsse. Diese Wirtschaftsorientierung rächt sich nun.

Klimawandel: Durch den fortschreitenden Klimawandel wird immer mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre gelöst. Dadurch kommen Starkregenereignisse immer häufiger und großflächige vor. 2012 wurde in Deutschland wieder ein sattes Plus von 1,6 Prozent bei den Treibhausgasemissionen ermittelt. Klimaschutz wäre also auch Hochwasserschutz.

Notwendige Maßnahmen

Baulicher Hochwasserschutz: Schon vor dem Jahrhunderthochwasser 2002 hatte die internationale Kommission zum Schutz der Elbe 35.000 Hektar als mögliche Flächen für Auenrenaturierungen und Deichrückverlegungen identifiziert. Realisiert oder in Umsetzung begriffen sind weniger als fünf Prozent davon. Denn Länder und Bund setzen vor Allem auf den technischen Hochwasserschutz. So beteiligt sich der Bund im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) mit bis zu 80 Prozent an den Kosten für Dämme oder Maßnahmen der Deichverstärkung. Ob diese Ansätze die beste Sicherheit für die betroffenen Menschen bieten, bleibt offen. So sind seit 1997 allein aus der GAK mehr als 150 Millionen Euro für den Deich- und Dammbau investiert worden, während für Renaturierungen weniger als die Hälfte ausgegeben wurde. Für die Maßnahmen des technischen Hochwasserschutzes fallen zusätzliche Kosten für Deich-Unterhaltung und Personal an. Mit naturverträglichen Maßnahmen könnte eine sechsfach längere Strecke des Flusses an Hochwasser angepasst werden. In Sachsen Anhalt wird etwa 30 Mal mehr für Deiche, Dämme und Polder ausgegeben, als für die Wiederherstellung von Auen oder die Deichrückverlegung. Auch das sich als Musterland rühmende Bayern gibt noch fünfmal mehr Geld für seine Deich- und Polderpolitik aus als für die Weiterführung seines Auenprogramms.

Versiegelung: Jede Sekunde nimmt die Siedlungsfläche in Deutschland um weitere zwölf Quadratmeter zu. Mit der Nachhaltigkeitsstrategie der rot-grünen Bundesregierung wurde im Jahr 2002 das Ziel festgehalten, den Flächenverbrauch bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen. Mit durchschnittlich 90 bis 104 Hektar pro Tag in den letzten Jahren liegt der Wert ein ganzes Stück entfernt vom Ziel. Ein großer Teil der Fläche wird versiegelt. Immer mehr Regenwasser kann nicht mehr vom Boden aufgenommen werden, sondern rauscht in die Flüsse. Auch Wiesen und Acker verlieren immer mehr durch Maßnahmen zur schnellen Entwässerung ihre Speicherfunktion. Die Liste lässt sich fortsetzen. Das Ergebnis ist immer dasselbe. Wassermengen, die schnell in die Flüsse gelangen, nehmen weiter zu und können nicht mehr gefasst werden.

Klimawandel: Umfassenden Klimaschutz endlich konsequent umsetzen. Der Klimawandel bringt zusätzliche Mengen an Wasserdampf in die Atmosphäre die dann an Temperaturgrenzen abregnen. Diese zusätzlichen Mengen verstärken die Probleme und immer häufiger kommt es zu den “Jahrhunderthochwassern“. Die Schäden durch die Hochwasserereignisse erreichen Summen, die einmal mehr verdeutlichen, dass Klimaschutz auch ökonomisch sinnvoll ist.

Die grüne Bundestagsfraktion fordert: