Eine Woche Schatten spielen….

Bericht von Jamila Schäfer

Auch dieses Jahr organisierte die Grüne Jugend Bayern in Kooperation mit Ekins Büro wieder ein Bundestags-Shadowing: Vom 22. bis 26. Oktober 2012 konnten junge Politikinteressierte bei jeweils einem Mitglied des Bundestages 5 Tage lang über die Schulter schauen.

Ich heiße Jamila, bin 19 Jahre alt, studiere in München und habe im Rahmen dieses Kurzpraktikums die Möglichkeit genutzt,  Ekin zu „beschatten“.

Der Morgen des ersten Tages begann mit einer Vorstellungsrunde und einer kleinen Führung durch Ekins Büro und die Büros ihrer Mitarbeiter*innen. Danach musste ich mir, genau wie alle anderen der 9 Teilnehmenden des Programms, erst einmal ein Hausausweis ausstellen lassen, damit ich Zugang zu den Büroräumen, zum Reichstagsgebäude, zum Paul-Löbe- und Jakob-Kaiser-Haus hatte. Anschließend führte uns Jonas, Ekins studentischer Mitarbeiter, durch das Reichstagsgebäude, das Paul-Löbe- und das Jakob-Kaiser-Haus und besprach dann noch das Programm für die kommenden Tage mit uns.

Am Dienstag begleitete ich Ekin zur Sitzung des AK 5 „Wissensgesellschaft und Generationen“ der grünen Bundestagsfraktion, der sich mit Kultur und Medien  sowie mit Frauen- und Bildungspolitik beschäftigt. Da Ekin diesen AK leitet, konnte ich mich durch ein Gespräch mit ihr und ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiterin auf dem Weg zum Paul-Löbe-Haus ganz gut auf die Inhalte vorbereiten, die in der Sitzung besprochen werden sollten. Zum Beispiel ging es in einem Antrag um Strahlenschutz, ein anderer forderte mehr Anstrengungen im Bereich der Inklusion und wieder ein anderer beschäftigte sich mit dem Urheber*innenrecht. Ein paar der dort behandelten Anträge waren durchaus kontrovers. Für mich war es sehr spannend, diese Debatten mitzuverfolgen und dabei ganz praktisch zu sehen, wie fraktionsintern Positionen entstehen und diskutiert werden. Die AK-Sitzung war für mich auch die erste Gelegenheit, andere Abgeordnete zu sehen und kennen zu lernen. Nach dem Mittagessen im Jakob-Kaiser-Haus fand auf der Fraktionsebene im Reichstagsgebäude ein Empfang für Fritz Kuhn, den neugewählten grünen Oberbürgermeister von Stuttgart, statt. Es war sehr voll, nicht nur da fast alle Mitglieder der grünen Bundestagsfraktion da waren, um Fritz Kuhn zu beglückwünschen, sondern auch sehr viel Presse, die die Rede der Fraktionsvorsitzenden Jürgen Trittin und Renate Künast sowie Kuhns Dankesrede dokumentierte. Gleich im Anschluss begann dann die Fraktionssitzung. Übergeordnetes Thema an diesem Tag war natürlich die Wahl in Stuttgart. Aber es ging im Zusammenhang damit auch um Strategien im Wahlkampf. Natürlich gab es auch noch andere inhaltliche Debatten und Beschlüsse. Beispielsweise wurde über ein Verbot der NPD und über einige Beschlüsse der Arbeitskreise diskutiert. Genau wie die anderen Teilnehmenden des Programms, habe ich die Fraktionssitzung als besonderes Highlight des Programms wahrgenommen, weil wir hier eins der wichtigsten Gremien der Partei hautnah kennengelernt haben. Nach der dreistündigen Sitzung waren die meisten von uns beim gemeinsamen Abendessens schon relativ erschöpft.

Doch das Programm ging natürlich auch am 3. Tag taff weiter. Am Mittwoch Vormittag tagte der Bundestags-Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, welchem Ekin angehört. Der Ausschuss tagt in den zylinderförmigen Räumen des Paul-Löbe-Hauses. Er setzt sich aus Mitgliedern aller Fraktionen zusammen. Dies hat man während der Sitzung auch an dem Umgang der Abgeordneten untereinander gemerkt, der verglichen mit fraktionsinternen Debatten und Gesprächen, viel förmlicher und distanzierter war. Natürlich konnte ich aber auch anhand der Verschiedenheit der Positionen zu bestimmten Themen erkennen, dass hier Mitglieder verschiedener Parteien anwesend waren. Bevor jedoch diskutiert wurde, fand eine Anhörung eines externen Referenten statt. Dieser stellte den Ausschussmitgliedern die Ergebnisse von Studien über Heimaufenthalte von Kindern und Jugendlichen vor und stand dann noch für Fragen zu Verfügung. Im Anschluss daran besprachen sich die Abgeordneten noch über Anträge und Gesetzentwürfe. Es war wirklich toll, mal die Arbeit eines so wichtigen Gremiums mitzubekommen.

Nach der Mittagspause gab uns Jonas, also Ekins Mitarbeiter und maßgeblicher Organisator des Programms, noch eine Führung durch Berlin Mitte. Als gebürtiger Berliner und politikinteressierter Mensch, konnte er uns natürlich viel zeigen und auch einige Geschichten zum Besten geben. In der Nähe der Hackischen Höfe war die Stadtführung dann zu Ende und wir besuchten die Ausstellung "Stille Helden", die die Geschichte von zivilgesellschaftlichen Widerstandskämpfer*innen gegen den Nationalsozialismus beleuchtet und über die Schicksale berichtet. Man konnte sich dort die Geschichten anhören oder lesen sowie Bilder und Ausstellungsstücke zu den einzelnen Schicksalen ansehen. Gleich daneben befindet sich eine Ausstellung, die die Geschichte der ehemaligen Blindenwerkstatt von Otto Weidt, die sehbehinderten Jüdinnen und Juden während der NS-Zeit Unterschlupf gab und wenigen damit das Leben rettete, erzählt. 
Am frühen Abend trafen sich dann noch alle "Shadows" mit Ekin. Sie erklärte uns nochmal generell, was so die Aufgaben einer Abgeordneten sind und nahm dann auch noch Bezug auf ihre persönlichen Erfahrungen und ihre politische Laufbahn. Es entstand ein sehr persönliches Gespräch, bei dem Ekin, die ja Mitbegründerin der Grünen Jugend Bayern ist, uns von ihrer politischen und persönlichen Laufbahn erzählte. Natürlich gab es auch noch ein wenig Zeit für Klatsch und Tratsch aus der Fraktion und für Fragen unsererseits. Auch dieses Gespräch brachte uns die Arbeit und das Leben einer Bundestagsabgeordneten, wenn auch aus einer sehr persönlichen Perspektive, noch einmal ganz gut vor Augen. Gerade als Mitglied der Grünen Jugend konnte man mit diesen Einschätzungen dann sehr gut vergleichen, was ein Aktivsein in einer Jugendorganisation von der Berufspolitik unterscheidet.

Am Donnerstag gab es dann wieder ein großes Highlight: Wir durften die Abgeordneten in den Plenarsaal des Reichstagsgebäudes begleiten und bei den Debatten und Abstimmungen von der Besuchertribüne aus zusehen. Klar, wir waren ganz normale Zuschauer*innen. Aber trotzdem war es ein ganzes Stück spannender, die Debatte live mitzuverfolgen als das Ganze im Fernsehen anzusehen. Im Plenum ging es um prekäre Beschäftigungsverhältnisse, also Minijobs, deren Ausweitung an diesem Tag per namentlicher Abstimmung beschlossen wurde. Diese namentliche Abstimmung stellt eine Art Anwesenheitspflicht für alle Bundestagsabgeordneten dar. Das hatte zur Folge, dass unsere Abgeordneten nahezu den ganzen Tag im Plenarsaal sein mussten. Da wir nur für einen begrenzte Zeitraum Plenarkarten hatten, beschäftigte ich mich im Büro noch damit, Ekins neue Homepage zu begutachten und auf ihre Bedienbarkeit zu überprüfen.

Am letzten Tag, also am Freitag, trafen wir uns im Jakob-Kaiser-Haus zu einer Abschlussrunde und zu einem anschließenden Abschiedsessen mit Jonas und unseren Abgeordneten. Dabei tauschten wir unsere Erfahrungen aus, berichteten von unseren Eindrücken und bewerteten die Woche. Insgesamt viel das Feedback sehr positiv aus. Allen Teilnehmenden hat das Programm sehr viel Spaß gemacht und viele neue, interessante Erfahrungen und Einblicke verschafft.

Ich persönlich habe dieses Kurzpraktikum als supertolle Möglichkeit gesehen, den Alltag einer Berufspolitikerin kennen zu lernen und mal einen Blick hinter die Kulissen der Bundespolitik zu werfen. Deshalb habe ich die Teilnahme an dem Shadowing-Programm als etwas sehr besonderes wahrgenommen und kann es nur weiterempfehlen. Schließlich möchte mich hiermit auch noch mal bei allen Verantwortlichen für die Organisation bedanken. Es war wirklich eine spannende Woche, in der ich viel gelernt habe und die mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Mein Team im Berliner Büro:

  • Nora Vierling
  • Bernhard Saumweber
  • Caroline Schneider 
  • Stilla Meyer
  • Elia Panskus
  • Urban Aykal 

Kontaktdaten Berliner Büro:

Ekin Deligöz, MdB
Deutscher Bundestag
Platz der Republik 1
11011 Berlin 
Per Telefon: 030 / 227 715 06 
Per Fax: 030 / 227 768 34
E-Mail: ekin.deligoez@bundestag.de