Blick hinter die Kulissen – Praktikum bei Ekin Deligöz

Ann-Sophie Winter

Mein Name ist Ann-Sophie und ich mache seit drei Wochen bei Ekin Deligöz, der kinder- und familienpolitischen Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion, ein Praktikum. Diese Woche ist die letzte Sitzungswoche des Deutschen Bundestages vor der Sommerpause und dementsprechend steht noch viel auf der Tagesordnung. 
Montag, 29. Juni 2009
Gegen 9.30 Uhr treffe ich im Gebäude Unter den Linden 50 ein. Hier, im einstigen Sitz des Ministeriums für Außenhandel der DDR, haben heute einige Bundestagsabgeordnete ihre Büros, so auch Ekin Deligöz. Wie immer sind Caroline, sowie Ina und Bernhard, ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter, schon da. Um 10 Uhr gehe ich mit Bernhard und Ina zu einer Mitarbeiterbesprechung des Arbeitskreises 5 „Wissen und Generation". Bei den Grünen gibt es nämlich in der Fraktion fünf Arbeitskreise, die die fachliche und politische Arbeit der Fraktion leisten. Ein Arbeitskreis beschäftigt sich mit Wirtschaft und Arbeit, ein anderer mit Umwelt, Verkehr und Verbraucher, ein weiterer mit Recht und Gesellschaftspolitik und ein Arbeitskreis mit Internationaler Politik und Menschenrechte. Die Arbeitskreise erarbeiten z. B. Entwürfe von Positionspapieren, Anfragen oder Anträge. Ekin ist im Arbeitskreis 5, der u. a. Themen wie Bildung, Kinder, Familie, Demografische Entwicklung & Altenpolitik und Medien bearbeitet. In jeder Sitzungswoche treffen sich die MitarbeiterInnen der Abgeordneten des jeweiligen Arbeitskreises, um die Woche zu planen und Informationen auszutauschen. Nach der rund einstündigen Besprechung kommen wir zurück ins Büro. In der Zwischenzeit ist auch Ekin eingetroffen und sitzt an ihrem Schreibtisch, um die Post durchzugehen. Auch im Büro setzen wir uns zu einer Besprechung zusammen: welche Termine hat Ekin diese Woche, was gibt es noch zu klären, welche Reden muss Ekin diese Woche halten? Alles Fragen, die geklärt werden müssen. 
Nach der Besprechung machen sich alle wieder an die Arbeit. Während Ekin an ihrem Schreibtisch den neuen Papierstapel durchgeht, mache ich eine Hintergrundrecherche für Ekin. Diese Woche soll ein Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen verabschiedet werden. Ekin braucht dafür noch weitere Informationen, die nützlich für die anstehenden Diskussionen sein könnten. 
Am Abend trifft sich eine Arbeitsgemeinschaft zur Besprechung. Alle Abgeordneten aus dem AK 5, die Mitglied des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (FSFJ) sind, treffen sich gemeinsam mit ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern, um die Woche und die Ausschusssitzung zu besprechen. 
Nach der Sitzung der Arbeitsgemeinschaft FSFJ gehe ich dann um 18 Uhr nach Hause, während Ekin bereits zu einem Treffen mit einem grünen Kollegen eilt und daran anschließend zu strategischen Planungen mit weiteren Grünen zusammentrifft. 
Dienstag, 30. Juni 2009
Heute veranstaltet das Bundesfamilienministerium eine europäischen Konferenz zum Schutz von Kindern und Jugendlichen gegen sexuelle Gewalt. Ekin kann aufgrund ihres vollen Terminkalenders leider nur für eine Stunde an der Konferenz teilnehmen. Damit sie dennoch die wesentlichen Inhalte der Konferenz erfährt, besuche ich die Veranstaltung und werde ihr morgen darüber berichten. Während ich also den Vorträgen und Diskussionen aufmerksam folge und an den Workshops teilnehme, sitzt Ekin am Vormittag in der Besprechung des Arbeitskreises 5, der wie oben bereits erwähnt u. a. für die Themen Kinder und Familie zuständig ist. Im Anschluss daran bereitet sie mit dem Sekretariat die morgige Sitzung der Kinderkommission vor. Die Kinderkommission ist ein Unterausschuss des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (FSFJ) und versteht sich als Interessensvertretung für Kinder. Um 14 Uhr beginnt dann die Fraktionssitzung der Grünen, die jeden Dienstag stattfindet und etwa drei Stunden dauert. Die Fraktionssitzung ist das höchste Beschlussorgan der Bundestagsfraktion. Hier werden u. a. politische Sachentscheidungen getroffen, Positionspapiere beschlossen und die Redner im Plenum bestimmt. Am Abend muss Ekin noch zum Elternabend ihres Sohnes und danach zum parlamentarischen Sommerfest des Goethe-Instituts. Zu dem Zeitpunkt bin ich schon längst mit Freunden in einer Bar verabredet.
Mittwoch, 1. Juli 2009
Als ich ins Büro komme, trifft auch Ekin gerade ein. Sie kommt vom Obleute-Treffen. Obleute sind diejenigen Abgeordneten, die in den einzelnen Ausschüssen die Hauptansprechpartner für die eigene Fraktion, aber auch für die übrigen Fraktionen im Ausschuss sind. Sie bestimmen den Kurs der Fraktion in den Ausschüssen entscheidend mit. Gemeinsam mit Ekin gehe ich in den Ausschuss Familie, Senioren, Frauen und Jugend (FSFJ). Zu Beginn des Ausschusses stellt Professor Dr. Andreas Kruse von der Universität Heidelberg den Abgeordneten des Ausschusses den sechsten Altenbericht vor. Anschließend stellen die Abgeordneten Fragen und diskutieren über einzelne Punkte des Altenberichts. Ein weiterer Tagesordnungspunkt ist der Bericht über die Arbeit der Kinderkommission. Diesen stellt Ekin als amtierende Vorsitzende der Kinderkommission dem Ausschuss vor. 
Anschließend trifft sie sich zum Mittag, um eine Veranstaltung am heutigen Abend durchzusprechen. Währenddessen gehe ich zurück ins Büro und fasse für Ekin die gestrige Konferenz zum Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt zusammen. Am Nachmittag gehe ich mit ihr noch zur Sitzung der Kinderkommission, die sie derzeit als Vorsitzende leitet. In der Kinderkommission sind Abgeordnete aus jeder Fraktion vertreten und der Vorsitz wechselt alle neun Monate. Anschließend mache ich mich auf den Heimweg, während Ekin noch einmal ins Büro geht und später eine Abendveranstaltung besucht.
Donnerstag, 2. Juli 2009
Heute Vormittag lerne ich Urban, einen weiteren Mitarbeiter von Ekin, kennen. Er kümmert sich u. a. um den Kontakt zur türkischen Presse und hilft dem Büro bei der Beantwortung von türkischen Anfragen. Gemeinsam begleiten wir Ekin zu einer Auftaktveranstaltung einer Aufklärungsinitiative über gesunde Ernährung, die sich vor allem an Kinder und Jugendliche mit türkischem Migrationshintergrund richtet. Anschließend gehe ich wieder ins Büro, während Ekin zu einem Round Table zum Thema „Netzfreiheit und Kinderschutz - wie geht es weiter?" ins Jakob-Kaiser-Haus eilt. Um 17 Uhr sitze ich dann auf der Besuchertribüne des Plenarsaals im Reichstag. Schräg unter mir sitzt Ekin zwischen anderen Abgeordneten der grünen Bundestagsfraktion. Heute stehen neben Regierungserklärungen, einer Aktuellen Stunde, etc. auch insgesamt fünf namentliche Abstimmungen auf der Tagesordnung. Namentliche Abstimmungen erfolgen, wenn dies von einer Fraktion oder von anwesenden fünf Prozent aller Mitglieder des Bundestages verlangt wird. Bei namentlichen Abstimmungen werden Abstimmkarten benutzt. Diese Abstimmkarten enthalten den Namen der Abgeordneten und entweder „Ja" (blaue Karte), „Nein" (rote Karte) oder „Enthalte mich" (weiße Karte). Die Form der namentlichen Abstimmungen wird vor allem bei politisch brisanten Themen gewählt. Übrigens: Nimmt ein Abgeordneter nicht an einer namentlichen Abstimmung teil, wird ihm in der Regel die Kostenpauschale um 50 Euro gekürzt. Im Gegensatz zu Ekin bleibe ich nur bis 20 Uhr im Plenarsaal und gehe dann nach Hause.
Freitag, 3. Juli 2009
Im Büro schaue ich den Pressespiegel nach interessanten Artikeln durch. Im Pressespiegel finden sich alle wichtigen Artikel über die Grünen, andere Parteien und alle aktuellen Themen. Da heute der Bundestag das letzte Mal in dieser Legislaturperiode zusammentritt, gehe ich gegen Mittag noch einmal für zwei Stunden auf die Besuchertribüne in den Plenarsaal und höre gespannt den Diskussionen der Abgeordneten zu. Auch Ekin sitzt im Plenum. Gegen 15:30 Uhr mache ich mich auf den Heimweg und starte in mein Wochenende. Irgendwann später muss auch Ekin nach Hause, um ihre Koffer zu packen. Noch heute Abend fährt sie mit dem Nachtzug nach Ulm, um am Wochenende Veranstaltungen im Wahlkreis zu besuchen.

Nächste Woche wird eine Besuchergruppe aus dem Wahlkreis nach Berlin anreisen. Ich werde bei dem Programm mitmachen dürfen. Darauf freue ich mich schon, denn das Programm beinhaltet u. a. auch einen Besuch im Auswärtigen Amt, im Deutschen Dom und in der ehemaligen Stasi-Zentrale. Während den letzten Wochen habe ich einen guten Einblick in das politische Geschäft bekommen und nun - nach meinem Blick hinter die Kulissen - noch mehr Respekt vor Bundestagsabgeordneten als zuvor. Die enorme zeitliche Belastung und die Vielfalt der Anforderungen werden zu oft von der Öffentlichkeit unterschätzt. Anfang September werde ich Ekin dann noch bei ihrer Tour durch Schwaben begleiten, um zu sehen, wie die Arbeit während den sitzungsfreien Wochen abläuft. Das wird sicher auch sehr interessant und spannend - kurz vor der Bundestagswahl am 27. September.

Mein Team im Berliner Büro:

  • Nora Vierling
  • Bernhard Saumweber
  • Caroline Schneider 
  • Stilla Meyer
  • Elia Panskus
  • Urban Aykal 

Kontaktdaten Berliner Büro:

Ekin Deligöz, MdB
Deutscher Bundestag
Platz der Republik 1
11011 Berlin 
Per Telefon: 030 / 227 715 06 
Per Fax: 030 / 227 768 34
E-Mail: ekin.deligoez@bundestag.de